Donaudelta

Donaudelta ( Niki R. Nikolaus)
Zweitgrößter Strom Europas und sechsundzwanzigster der Erde, fast 2900 km lang mit einem über 800000 km2 großen Becken, in dem etwa 85 Millionen Menschen in 10 Ländern leben – ist die passende kurze Beschreibung dieses Wasserweges, der seit Jahrhunderten beharrlich die Rolle als „große Straße“ durch das Herz des Kontinentes erfüllt. Dieser Strom mündet in einem 4200 km2 großen Gebiet, nach mehrfacher Teilung in die verschiedenen Arme ins Schwarze Meer. Über viele Jahre hinweg ist durch Schwemmmaterial eine Wasserlandschaft entstanden, die in ihren Ausmaßen einzigartig in Europa ist. Bis 1968 war das Delta fast unberührt und Kartenmaterial war rar. Man hatte die Idee, dieses Gebiet landwirtschaftlich zu nutzen, dafür legte man einige Teile trocken. Allerdings kam es zu zahlreichen Missernten. Nach der Revolution von 1989 wurde das gesamte Gebiet zum Naturschutzreservat erklärt. Etwa 100000ha des gesamten Gebietes stehen als Biosphärenreservat unter dem Schutz der UNESCO. Das Donaudelta liegt am Kreuzungspunkt des 45. Breitengrades nördlicher Breite mit dem 29. Meridian östlicher Länge. Die exakte Oberfläche beträgt 5050 km2, davon befinden sich 4530 km2 auf rumänischem Territorium. Das Gebiet ist sehr flach und zu 70-80% mit Wasser bedeckt. Es hat das Aussehen eines gleichseitigen Dreiecks mit Seiten von jeweils 80 km Länge. Bei einer Durchflussmenge von 5000-9000 m3 pro Sekunde führt die Donau jährlich etwa 50 Millionen Tonnen Anschwemmungen mit sich (etwa achtmal mehr als der Tiber und zwanzigmal mehr als der Rhein). Die Wassertemperatur beträgt im August durchschnittlich 22°C, im Oktober noch immer I8°C. Im Sommer herrscht eine große Luftfeuchtigkeit mit tropischen Temperaturen und im Winter folgt ein schneidendes Steppenklima, wobei Temperaturen bis -25°C möglich sind. Die Eisdecke auf der Donau ist bis zu einem Meter dick. Während der Frühjahrsschmelze staut der Fluss mehrere hundert Kilometer zurück, der Bereich des Deltas wird oftmals komplett überschwemmt. Zwischen den Armen des Deltas wechseln sich Festland und Wasser ab. Endlose Nehrungen, Kanäle und flache, von Eichenwäldern belebte Landschaften erwarten den Besucher. Die Fischfauna der Donau ist einzigartig, man findet viele Arten, die nur in diesem Flusssystem vorkommen: Steingreßling, Schrätzer, Zingel, Streber und Huchen – alle vom Aussterben bedroht. Daneben findet man natürlich auch den Wels, Zander, Hecht, Böbel, Barsch, den Plattfisch, Schleie, Karpfen, Karauschen sowie verschiedene Arten von Krebsen. Insgesamt findet man etwa 150 verschiedene Fischarten im Bereich des Donaudeltas.
Auch vom ornithologischen Gesichtspunkt aus gesehen, ist das Donaudelta einzigartig. Es gibt mehr als 300 Arten von Vögeln, davon sind 70 nichteuropäisch. Man unterteilt die Vögel in verschiedene Gruppen: (I) mediterran (2) europäisch (3) sibirisch (4) mongolisch und (5) chinesisch. Dies ist begründet in dem Fakt, dass sich im Donaudelta fünf Zugvogelrouten treffen. Mehr als die Hälfte der vorkommenden Vogelarten nisten auch im Gebiet des Deltas.