‚Er und Ich‘ von Natalia Ginzburg

… Und doch gehe ich gern ins Kino; aber ich habe mir in den vielen Jahren, seit ich hingehe, keine Kenntnisse erworben. Er jedoch ist in allen Dingen, die seine Neugierde anzogen, ein Kenner geworden. Ich bin in nichts Kenner, nicht einmal in den Dingen, die ich am meisten im Leben liebte: sie blieben in mir als verstreute Bilder und nährten mein Leben mit Erinnerungen und Empfindungen, aber den wüstenähnlichen Zustand meiner Bildung verwandelten sie nicht. Er sagt, mir fehle das Interesse: aber das stimmt nicht. Ich interessiere mich für wenige, sehr wenige Dinge, und wenn ich sie einmal kenne, so bewahre ich von ihnen ein paar ver einzelte Bilder, die Kadenz eines Satzes oder eines Wortes im Gedächtnis. Meine Welt, in der solche Kadenzen und Bilder auftauchen – voneinander getrennt und doch verbunden durch mir selber unsichtbare Fäden – ist öde und melancholisch. Seine Welt dagegen ist üppig groß, reich bevölkert und bepflanzt, eine fruchtbare und wohl bewässerte Landschaft, wo es Wälder, Weiden, Baumgärten und Dörfer gibt. …