David Hugendick über Marie Kondo etc

Der zur unbedingten Modernität entschlossene Mensch lebt oft in einer Wohnung, die bestenfalls aussieht wie ein Hotelzimmer, schlimmstenfalls wie ein Ausstellungsraum oder ein Apple-Store. Sogenannte Interiorblogs verbreiten Hunderte Bilder von weißen Zimmern, in denen Menschen, die meistens erfolgreich etwas machen, sich interessantgewohnt haben mit einem kleinen Ensemble an Möbeln, auf dem Tisch ein paar tiefsinnig verdorrte Blumen und Schriftzüge in schlichter Helvetica, dem Comic Sans aller Menschen mit Googlemail-Adresse. Alles ist sorgsam ausgesucht und hingestellt und arrangiert. Und alles ist so rein und klar und wesentlich und sachlich, dass man den Leuten aus schierer Notwehr eine Schrankwand in die Bude rollen möchte, mit Brettspielen, Münzsammlungen, Fußballpokalen und allen Bravo-Hits bis Folge 47. Es wäre ja Platz genug.