Blutgruppe 0 (positiv)

Im Blutgruppen-System AB0, das Karl Landsteiner im Jahr 1901 entwickelt hat, gibt es vier Blutgruppen. Eine davon ist Blutgruppe 0. Dieses Blut (Rhesusfaktor negativ) ist bei einer Bluttransfusion für alle Empfänger geeignet und bei Blutspendediensten daher sehr willkommen.
Blutgruppe 0 ist durch zwei Besonderheiten gekennzeichnet: Die roten Blutkörperchen (Erythrozyten) tragen auf ihrer Oberfläche keine Antigene (so wie die anderen Blutgruppen A, B und AB). Im umgebenden Blutplasma befinden sich sogenannte Antikörper des Typs A und B. Beim Mischen von Blut wird es immer dann problematisch, wenn die Antikörper an die Antigene der Erythrozyten andocken können. Dann kommt es zu einer Verklumpung des Blutes (Hämagglutination). Da die Erythrozyten von Blutgruppe 0 keine Antigene besitzen, kann folglich kein Antigen andocken, und es kommt zu keiner Verklumpung – egal, ob in dem Blut Antikörper des Typs A (Bei Blutgruppe B) oder Antikörper des Typs B (bei Blutgruppe A) vorhanden sind. Das Blutplasma der Blutgruppe AB enthält keine Antikörper.
Blutgruppe 0 kommt sehr häufig vor (rund 41% der Bevölkerung). Die Erythrozyten der Blutgruppe 0 enthalten keine Antigene. Blutgruppe 0 ist daher ein sogenannter „Universalspender“ – diese Erythrozyten sind theoretisch für alle anderen Blutgruppen geeignet.
Genau anders herum verhält es sich aber für Menschen, die Blutgruppe 0 besitzen: sie können nur Blut dieser Blutgruppe empfangen, alles andere wäre gefährlich.
Allerdings spielt auch der Rhesus-Faktor eine wichtige Rolle. Rund 85% aller Menschen tragen auf der Oberfläche der Erythrozyten ein sog. D-Antigen („Rhesusfaktor D“). Man sagt, ihre Blutgruppe ist „Rhesus positiv“ (Rh+). Bei den übrigen 15% ist das D-Antigen nicht vorhanden, sie sind Rhesus negativ (RH-).
Menschen mit Blutgruppe 0 Rhesusfaktor positiv haben im Fall einer Blut-Transfusion ein Problem: Sie können nur Blut von Menschen vertragen, die ebenfalls Blutgruppe 0 haben. Denn die Erythrozyten aller anderen Blutgruppen tragen entweder Antigen A oder Antigen B (oder beide) auf ihrer Oberfläche. Die Antikörper des Typs A und B von Blutgruppe 0 würden das fremde Blut verklumpen. Allerdings ist das Problem im Fall von Blutgruppe 0 Rh+ nicht so groß, weil immerhin 41% der Bevölkerung Blutgruppe Null haben und insofern genügend Spenden zur Verfügung stehen.
Im Gegensatz dazu ist das Blut von Menschen der Blutgruppe 0 Rh+ für alle anderen Blutgruppen mit positivem Rhesusfaktor geeignet.
Richtig schwierig ist es für Menschen mit Blutgruppe 0 Rhesusfaktor negativ. Diese Patienten können ausschließlich genau dieses Blut vertragen. Auch Blutgruppe 0 Rh+ ist als Spende nicht geeignet. Nur 6% der deutschen Bevölkerung hat diese Blutgruppe. Menschen mit dieser Blutgruppe 0 Rh- werden daher besonders darum gebeten, Blut zu spenden.
Das Blut von Menschen mit Blutgruppe 0 Rhesusfaktor negativ ist als Spende für alle anderen Blutgruppen geeignet – unabhängig vom Rhesusfaktor. Man nennt sie deshalb auch „Universalspender“. Blutspenden der Blutgruppe 0 Rhesus negativ sind besonders gern gesehen, weil sie im Notfall extrem wertvoll sind. Gerade bei Notfällen, wo ein Patient sehr viel Blut verliert, kann man nicht erst langwierig die passende Blutgruppe ermitteln. Daher wird in solchen Situationen stets „0 Rhesus negativ“-Blut genommen, weil es für jeden geeignet ist. Aus diesem Grund bemühen sich Rettungsstationen auch stets, ausreichend Blut dieser Blutgruppe vorrätig zu haben – und entsprechend begehrt sind diese Spenden. (von Martin Mißfeldt)
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