🦋 📚 das ist meine stadt ungekürzt

hier bin ich geboren: im goldenen kreuz in der lazarettgasse
hier fühle ich mich daheim: im weißgerberviertel, weil ich da wohne, in den museen, weil ich eine „kulturverliebte“ bin, in den mietbaren palais der innenstadt, weil ich die oft beruflich nütze.
hier verbringe ich den großteil meiner zeit: beim spazierengehen im prater und am donaukanal, bei kulturgenuss und arbeit im ersten.
das sehe ich, wenn ich aus dem fenster schaue: das leider für immer geschlossene kaffee urania, kopfsteinpflaster mit tramschienen, eine brücke in den zweiten und pfeile, die den weg nach bratislava und budapest weisen.
hier habe ich meine ersten euro verdient: es waren schillinge beim babysitten in döbling aufgrund einer kleinanzeige am schwarzen brett beim damals noch existierenden meinl in glanzing.
so gebe ich das meiste geld aus: vielleicht nicht das meiste geld, aber am liebsten für: privatführungen durch ausstellungen und in besonderen restaurants (zum beispiel pramerl und wolf oder konstantin filippou) zu feierlichen anlässen.
hier ärgere ich mich immer wieder: wenn die nacht-feierer ihren mist am donaukanal liegen lassen und er in der früh meine laufrunde visuell und olfaktorisch beeinträchtigt.
hier bin ich am liebsten: in einer interessanten ausstellung (jüdisches museum, khm, mak, wien museum) gefolgt von einem besuch im touristenfreien café engländer bei den mir liebsten kellnern wiens.
hier finde ich wien am schönsten: in den versteckten innenhöfen mit pawlatschen hinter dem stephansdom und von oben, auf den stadtwanderwegen durch die weinberge döblings.
hier würde ich mein kind nicht hingehen lassen: zum akademiker-ball.
hier habe ich einmal etwas verbotenes getan: in den neunzigern störung der nachtruhe nach discothekenbesuch im titanic.
hier habe ich das letzte mal so richtig gefeiert: vor der pandemie: im volksgarten bei 30 dancing und zu hause mit freunden.
so riecht wien für mich: nach einer mischung aus rosen im volksgarten, würstelstand, pferdeäpfeln im kopfsteinpflaster und – dank der immer mehr werdenden kleinen bäckereien – auch nach frischem brot.