extras 2015

jörg zemmler (08.12.2015)
in einem raum / voller bewegunsmelder / einen nachmittag / das stillhalten geübt

neues Album „But U Cain’t Use My Phone“ von Erykah Badu (Felix Zwinzscher, 05.12.2015)
An dieser Stelle müssen wir allerdings eine Frage stellen: Was ist gerade los mit der Musikindustrie und Telefonen? Adele ruft „Hello“ in ihr Klapptelefon, und die Musikwelt bekommt Gänsehaut. Kanadas Rap-Export Drake bewegt sich zur Handyhymne „Hotline Bling“, als wolle er sich für Monty Pythons „Ministerium für alberne Gänge“ bewerben, das Internet dreht durch. Und Badu veröffentlich jetzt ein komplettes Mixtape über die hohe Kunst des Telefonierens. Ist das Zeitgeist?
Im spärlich instrumentierten und ominös wabernden „Phone Down“ widmet sie sich der größten Hürde heutiger Anbandelversuche und sozialer Interaktionen überhaupt – der Unfähigkeit, das eigene Telefon zu ignorieren. Badu droht liebevoll: „You ain’t gonna text no one when you wit me.“ Ein Spruch, der als Nadelarbeit über jedem Familienesstisch hängen sollte.

gute wahl (03.12.2015)
Wort des Jahres: Willkommenskultur
Unwort des Jahres: Besondere bauliche Maßnahmen
Jugendwort des Jahres: „zach“
Spruch des Jahres: „Frankreich, wir kommen!“
Unspruch des Jahres: „Ich bin kein Rassist, aber …“

Ausstellung Ballgasse 6 im Wien Museum Karlsplatz (November 2015)
Die Abschiedsausstellung von Museumsdirektor Wolfgang Kos widmet sich der Geschichte der Galerie Pakesch, die die Wiener Kunstszene der 1980er-Jahre maßgeblich prägte und ihr zu internationaler Beachtung verhalf. Künstler wie Franz West, Heimo Zobernig oder Herbert Brandl hatten dort wichtige Ausstellungen. Aus dem Galerie-Archiv, das jetzt dem Wien Museum gehört, werden Fotos, Plakate und andere Dokumente Arbeiten aus der Zeit gegenübergestellt.

Focusing on your values—the „fix“ that really isn’t (David Allen, 11.11.2015)
The popularity of some productivity methods in recent years, like Covey’s 7 Habits, highlights the timeless truth that clarifying what’s really important to us in our lives is necessary to keep ourselves, balanced, happy, and fulfilled. But without the skill of managing the complex mix of outcomes and actions that we of necessity are immersed in, this values-based approach often simply adds to our guilt and stress.
It is precisely our caring about quality in so many areas of our life that has gotten us so overwhelmed!
We care that we’re caring and sensitive human beings with our staff and our family. So we have to have projects and phone calls and staff meetings and „time-out“ lunches to maintain the quality and quantity of communication that we need to. We care about our kids‘ interests and want to support them as best we can. So we try to make it to their sports games (volunteering to coach, even). We care that we are good citizens in our communities, so we join committees and try to participate in local politics. We care that we live long and healthy lives, so we try to keep up an exercise regimen and eat right, and read the latest thing our spouse says we should read so we don’t fall off the turnip truck. We care that our company is an interesting place for our people to work, and that it has longevity, so we have to make time to plan and define strategies, clarify its purpose and guiding principles. And oh yeah, there’s pursuit of Ultimate Truths—God and other such details….!
You’d lighten up a ton if you’d just lower your standards. Or if you simply eliminated all your resources and opportunities.
Or, you could exercise the only other option—the practice of a comprehensive method of self-management and self-reflection like GTD, which accepts and constantly renegotiates all of the commitments and agreements that we make with ourselves and others.
That, however, doesn’t come free. It is a martial art that requires focus and habits of behavior that take responsibility for what we express, commit to, and where we put our attention. It cannot be done by thinking we don’t have to track our thinking, get organized, and constantly review our mix of options.
Go ahead—focus on your values. But get ready to add to the complexity and volume of choices in your daily life.

Wiener Dialekt (orf, 08.10.2015)
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts ist das entstanden, was heute als Wiener Dialekt bezeichnet wird. Durch die Zuwanderung aus Böhmen und Mähren entstanden zahlreiche neue Ausdrücke, die heute als „echt wienerisch“ gelten: Der „Strizzi“ stammt vom tschechischen „strýc“ (Onkel), „auf Lepschi gehen“ vom tschechischen „lepší“ (besser). Und auch der velarisierte Lateral, besser bekannt als Meidlinger L, geht auf das Tschechische zurück.
Aber auch andere Sprachen bereicherten den Wortschatz Wiens, so hat etwa der „Haberer“ seinen Ursprung im jiddischen Wort „chaver“ (Freund) und das „Beisl“ im jiddischen „bajis“ (Haus). Aus dem Ungarischen kommen die „Maschekseitn“ („másik“ – der, die andere), der „Mulatschak“ („mulatság“ – Feier, Unterhaltung) und das „Dschinakl“ („csónak“ – Kahn).

Sprezzatura (23.09.2015)
Der Begriff Sprezzatura wurde von Baldassare Castiglione als Fähigkeit beschrieben, auch anstrengende Taten leicht und mühelos erscheinen zu lassen. In seinem berühmten Buch Libro del Cortegiano (deutsch Das Buch vom Höfling) beschreibt er die Sprezzatura als wesentliche Eigenschaft eines perfekten Höflings und empfiehlt stets „eine gewisse Art von Lässigkeit anzuwenden, die die Kunst verbirgt und bezeigt, dass das was man tut oder sagt, anscheinend mühelos und fast ohne Nachdenken zustande gekommen ist“.

Brief an angekommene Flüchtlinge (Jaafar Abdul Karim, Zeit Online, 21.09.2015)
Herzlich Willkommen! So wurdet Ihr „Flüchtlinge“ an vielen Bahnhöfen in Deutschland begrüßt. Ahlan wa-sahlan (Deutsch: Willkommen)! habe ich auch gerufen. Ich freue mich sehr, dass Ihr endlich in Sicherheit seid, dass Ihr nach den ganzen Strapazen, nach tage- und wochenlanger Gefahr für Leib und Leben endlich durchatmen könnt.
Dieser Tage ist ganz Deutschland voller großer Emotionen. Auch die Medien haben Anteil an dieser bisher unbekannten Willkommenskultur, indem sie über Euch Flüchtlinge größtenteils positiv berichten! Auch viele Politiker sind mittlerweile Feuer und Flamme. Einige aus Überzeugung, andere sind berechnende Trittbrettfahrer.
Vergessen scheint zu sein, dass noch vor wenigen Wochen Pegida die Schlagzeilen bestimmte; es gibt Berichte über Anschläge auf Flüchtlingsunterkünfte und die Frage, ob Deutschland überhaupt Flüchtlinge aufnehmen will und kann. Die Stimmung der Menschen und der Medien ist dann plötzlich zu Euren Gunsten gekippt. Sie kann aber genauso plötzlich wieder in die andere Richtung kippen, sobald nur einer von Euch etwas Schlechtes tut. Manche Menschen und Medien pauschalisieren schnell.
Liebe „Flüchtlinge“, egal, wo Ihr herkommt, ob aus Damaskus, Bengasi oder Bagdad: Ich kenne viele Eurer Heimatstädte gut. Meiner Abstammung nach könntet Ihr ein Teil meiner Familie sein. Und als Familie sollten wir offen und ehrlich miteinander reden.
Mir ist wichtig, dass die Herzlich-Willkommen-Stimmung in Deutschland Euch gegenüber bleibt, damit Ihr hier ein gutes Leben führen könnt. Deshalb ist es unumgänglich, dass Ihr den sogenannten besorgten Bürgern, die Euch gegenüber skeptisch sind, beweist, dass sie falsch liegen.
Das fängt mit der Sprache an. Bitte lernt die deutsche Sprache so schnell wie möglich. Es ist eine schöne Sprache und sie ist der Schlüssel zur deutschen Gesellschaft, zu Eurer neuen Heimat. Durch diese Sprache werdet Ihr Glücksmomente teilen können. Die Sprache wird Euch helfen, die anderen besser zu verstehen. Wichtiger noch ist, dass Ihr durch die Beherrschung des Deutschen unabhängiger in Deutschland werdet. Ihr seid nicht mehr auf Übersetzer und Helfer angewiesen und könnt Euer Leben ein Stückchen mehr selbst in die Hand nehmen.
Denn eines ist sicher: Auch Mohammed und Samira können hier so ziemlich alles werden, wovon sie träumen. Das ist wirklich so! Wichtigste Voraussetzung dafür aber ist Bildung. Sorgt dafür, dass Eure Kinder weiter zur Schule gehen, die kleinen wie die großen, die Jungen wie die Mädchen. Das gibt ihnen die Chance auf Erfolg, unabhängig von Eurer sozialen Situation.
Leben und leben lassen ist ein bewährtes Motto in Deutschland. Macht es bitte auch zu Eurem Mantra. Wenn sich ein Paar auf der Straße küsst, und seien es zwei Männer oder zwei Frauen, dann nehmt es so hin, auch wenn es vielleicht ein Schock für Euch ist. Dass Ihr daran nicht gewöhnt seid, heißt nicht, dass es falsch ist. Ihr lebt jetzt in einem anderen Wertesystem, das Ihr respektieren sollt, damit wir alle hier friedlich zusammenleben können.
Das Sozialsystem in Deutschland ist super; das ist sicherlich auch der Grund für den einen oder anderen Flüchtenden, nach Deutschland einwandern zu wollen. Nehmt es nicht als selbstverständlich hin. Dafür, dass Ihr unterstützt werden könnt, haben viele andere lange arbeiten müssen. Deshalb sucht Euch, sobald die bürokratischen Hürden überwunden sind und Ihr arbeiten dürft, eine Arbeit und packt mit an.
Ich freue mich, dass Ihr hier bald das islamische Opferfest Id al-Adha feiern könnt, vielleicht zum ersten Mal seit Jahren in Sicherheit. Aber es gibt hier auch andere Religionen und Bräuche, die Ihr respektieren sollt, genauso wie Ihr Euch Respekt für Eure Religion und Eure Bräuche wünscht. Und da wir beim Respekt sind: In Deutschland gibt es Andersgläubige, es gibt Nichtgläubige. Ungläubige, Kuffar, aber, die gibt es hier nicht – und soll es auch nicht geben.
Importiert keine konfessionellen Spannungen, ethnischen Konflikte oder politische Unterdrückung nach Deutschland. Vergesst niemals, dass Ihr aus diesen Gründen Eure Heimat verlassen musstet und vielleicht Eure Liebsten verloren habt. Sunniten neben Schiiten, Kurden neben Türken, Muslime neben Juden oder Atheisten neben Christen. Hier sind wir alle Nachbarn. Das ist Eure einmalige Chance, für Eure Familie für immer Frieden zu finden. Damit Ihr nicht fremd in diesem Land bleibt.
Unter uns gesagt: Die deutsche Gesellschaft und die deutsche Regierung müssen noch einiges verbessern. Aber das gelingt nur gemeinsam. Ihr dürft Eure Ideen und Wünsche frei und laut sagen. Aber Ihr müsst auch zuhören und verstehen können. Politik wird hier von allen gemacht, jeder kann mitgestalten. Seid also nicht bloß Zuschauer! Lasst Euch nicht entmutigen von Menschen, die Euch immer ablehnen werden, egal was Ihr macht.
In diesem Sinne würde ich mich freuen, wenn wir eines Tages gemeinsam am Bahnhof stehen würden, um den neuen Flüchtlingen zu sagen: Herzlich willkommen! Ahlan wa-sahlan!

Sätze wie Lawinen, Worte wie Giftpfeile – Eine Kolumne von Mely Kiyak
Kiyaks Deutschstunde / Debatte über Flüchtlinge (16. September 2015)
In der Debatte über Flüchtlinge und Einwanderer bleiben viele ressentimentgeladene Äußerungen unwidersprochen. Man liegt ermattet unter ihnen begraben.
Die eigentliche Zumutung in der öffentlichen Debatte über Immigranten und Flüchtlinge in Deutschland besteht darin, ertragen zu müssen, dass viele Sätze unwidersprochen bleiben. Sätze, die wie Giftpfeile abgeschossen werden und steckenbleiben. Sätze, die unwidersprochen in einer Talkshow übergangen werden. Sätze, die durch ständige Wiederholung eine Tatsächlichkeit vorgeben, die mit der tatsächlichen Lage aber nichts zu tun haben.
Jeder kennt diese Sätze und Formulierungen. Die „Unvereinbarkeit von Demokratie und Islam“, ist so eine. Ist die Geschichte der Demokratie nicht der permanente Versuch der Emanzipation von Monarchie und Religion?
Das beste Beispiel für die Verwebung einer Religionsgemeinschaft in ihre staatlichen Organe ist die Bundesrepublik selbst. Sie ist ein Bilderbuchbeispiel für die maximale Vereinbarkeit von Christentum und Demokratie. Bis auf einen beziehen sich sämtliche staatliche Feiertage auf Ereignisse aus der Bibel. Die Kirchen sind im Rundfunkbeirat, in der Ethikkommission und überall dort, wo Staat und Öffentlichkeit gemacht werden. Soll also der Islam ebenfalls mit der Demokratie vereint werden und kann es nicht? Oder sollen die Muslime auf ihre Religion verzichten, damit sie bessere Staatsbürger werden?
Oder die „kolossal gescheiterte Integration, nicht aller, aber einiger weniger Muslime in Deutschland“. Wie genau sieht eine gescheiterte und wie eine erfolgreiche Integration aus? Befinden sich Muslime per se außerhalb der Gesellschaft, weshalb sie eine besondere Form der Eingliederungsmaßnahme durchlaufen müssen? Sind mit Muslimen wirklich Muslime gemeint? Ist es soziologisch möglich, dass sich einzelne Gruppen in einer ansonsten vorgeblich intakt funktionierenden Gesellschaft wie Störfaktoren benehmen, weil sie nicht in die Kirche gehen? Ist es theoretisch möglich, dass tatsächliche Diskriminierung als fehlende Integrationsfähigkeit umgedeutet werden kann, so lange, bis alle es glauben?
Der Zuzug von Millionen türkischen Gastarbeitern nach Deutschland ermöglichte diesem Land die Integration zurück in die Weltwirtschaft und half, Handelsbeziehungen in die Märkte der Welt zu knüpfen. Die Arbeitskraft der türkischen Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen in der Bergbau-, Chemie- Automobilindustrie, im Straßenbau, in der Pharma- und Kosmetikindustrie und allen anderen Bereichen war abhängig von der Intensität ihres Glaubens an die kolossal integrative Kraft des Kapitalismus.
„Die Kapazität bei der Aufnahme der Flüchtlinge ist erreicht. Wir müssen ein zweites Hoyerswerda/Tröglitz/Heidenau verhindern“, ist ein solcher Satz. Wenn Immigranten und ihre nachfolgenden Generationen sowie Flüchtlinge daran schuld sind, dass die Bevölkerung angesichts ihrer Anwesenheit rassistisch wird, müsste man in der Logik dieses Argumentes nicht zügig alle Juden vor Antisemiten warnen und nach Israel schicken, um ein „zweites Auschwitz zu verhindern“?
Lust auf noch einen Satz?
„Wir dürfen nicht durch finanzielle Anreize, Stichwort Taschengeld, Flüchtlinge zu uns locken.“
Der größte Anreiz eines Vaters oder einer Mutter ihren minderjährigen Sohn in der Nacht zu verabschieden, um ihn auf einem Boot oder zu Fuß über Ozeane und Kontinente wandern zu lassen, ist die Trauer über den Verlust durch Bomben getöteter Kinder. Der größte Anreiz eines Mannes oder einer Frau, einen Säugling in ein Tuch zu schlagen und loszulaufen, ist der Geruch einer Fassbombe in der Nase, das zerstörte Haus, die Schmerzen in einem Foltergefängnis. Der größte Anreiz eines Menschen, sein Haus zu verlassen oder seine Stadt oder sein Dorf, ist die Tatsache, dass er in einer Hölle lebt, die einmal Syrien hieß und ein Land war.
Diese Woche bei der Fernsehsendung von Hart aber Fair in der ARD gab es wieder eine neue Ladung an solchen Sätzen. Debattiert wurde über Flüchtlinge, die nach Deutschland kommen. Pardon: kamen. Es ging auch um die Grenzen.
Die Sätze wurden einer nach dem anderen von Markus Söder abgefeuert. Er bekam alle Zeit der Welt, seine Thesen gleichsam wie auf einer Steintafel gemeißelt unwiderlegt und unwidersprochen vom Himmel herunterpoltern zu lassen.
Eine Auswahl:
„Das eigentlich Menschenverachtende ist, das Recht auszuhebeln und die Hoffnung der Menschen zu missbrauchen.“
Die Kritik gilt nicht der Bundesregierung und ihrem Entschluss die Grenzen dicht zu machen, sondern den Schleppern und Schleusern. Wären Sie eine alleinstehende Frau, würden Sie wirklich ohne Schleuser und Schlepper und Navigationsgerät loslaufen? Sind Schlepper wirklich menschenverachtend? Menschverachtender als andere Geschäftemacher? Menschenverachtender als unsere deutsche Waffenwirtschaft? Menschenverachtender als die europäischen Staaten, die Flüchtlinge auf Gleisbetten zusammenprügeln und mit Nahrung beschmeißen, als fütterten sie wilde Tiere im Gehege? Menschenverachtender als wohlsituierte Bürger, die Pogrome vor Asylunterkünften veranstalten und anzünden?
„Wir müssen die Sorgen der Bürger ernst nehmen und ein klares Zeichen gegen Rechtsextremismus zeigen.“
Gemeint waren nicht die Sorgen der Flüchtlinge und Migranten vor Rechtsextremen, sondern die Sorgen der rechtsextremen Bürger.
„Die Flüchtlinge werden die politische und kulturelle Statik des Landes fundamental verändern.“
Ist Politik und Kultur, wenn man von der politischen Kultur der CSU absieht, eine statische Größe?
„Wir müssen die Grenzen schützen. Wegen der Kriminalität.“
Gilt dieses Argument erst, seit Flüchtlinge kommen? Ist die Sicherheit im Schengenraum durch Flüchtlinge ernsthaft bedroht? Mehr als durch die Mitglieder des Schengenraums selbst? Zahlen? Belege?
„Und sind wir mal ganz ehrlich. Der Großteil der Menschen kommt aus einer anderen Welt und Wertekreis. Das Verhältnis von Mann und Frau ist anders.“
Das stimmt. Und trotzdem darf Bayern zu Deutschland gehören. Markus Söder meinte wohl aber andere Menschen und andere Welten und andere Wertekreise. Menschen von fernen Galaxien, die, wenn es passt, auf die Geschlechtergerechtigkeit und Menschenrechte pfeifen. Gerhard Schröder, Tony Blair, Silvio Berlusconi, François Mitterand und viele andere, die beispielsweise in Gaddafis Zelt saßen und Tee tranken. Ist auch nicht lange her, dass Kanzlerin Merkel mit einer deutschen Wirtschaftsdelegation in Ungarn war. Sie hätte auch Menschenrechtsaktivisten mitnehmen können. Die Frage, was unsere Werte sind, hat sich damit womöglich beantwortet.
„Die Toleranz dieser Menschen gegenüber Religion ist eine andere. Es nützt nichts, dass wir in unsere Kirche gehen und begeistert sind. Wir müssen auch die Akzeptanz finden, dass wir das weiterhin dürfen.“
Gibt es einen einzigen dokumentierten Fall in Deutschland, wo ein Flüchtling einem Christen in Deutschland an seinem Kirchgang behindert hat?
Es sind nur Sätze, mag man vielleicht denken. Aber der Weg von den selbsternannten besorgten Bürgern, die sich vor einer Islamisierung – was immer das sein mag – fürchten und diesen Sätzen, die immer und immer wieder gesagt werden, ist kurz. Die Sätze sind wie eine Lawine. Irgendwann liegt man wie ermattet darunter begraben.

genau mein ding – great lengths: a/w 2015’s silhouettes have been elongated with flare (wallpaper)
the last time we witnessed tunics and trousers merrily co-mingling in the same ensemble it was back in the 1990s, via the 1960s. this time around, the silhouette has been elegantly elongated, thanks to ground-grazing trousers paired with knee-length dresses, or sleeveless coats chicly topping voluminous trousers. opt for a matching afair, as seen at marni in felted mahogany wool, or a happy union of day and night, as per rodolfo paglialunga’s jil sander runway that saw a cashmere robe united with silk trousers. pringle of scotland worked the concept in supple suede, while stefano pilati’s kick-fared jumpsuit for agnona was streamlined for the workplace with a sleeveless gilet composed of the softest cashmere strips. either way, bare arms are on view, heading of the problem of too much volume, as trouser hems come as exaggerated bootcuts or cuffed with a good 7cm turn-up. all told, it’s a look that couldn’t spell ‚art crowd‘ any clearer if it tried.

All’Origine … i classici di All’Oro (09.09.2015)
L’aperitivo di benvenuto
Tiramisù di baccalà e patate con lardo di cinta senese (2008)
Riassunto di carbonara (2011)
“Rocher” di coda alla vaccinara con gelée di sedano(2007)
Raviolini di mascarpone con ragout di anatra e riduzione di vino rosso(2009)
La quaglia ed il suo ovetto in tegame : petto farcito al ciauscolo e coscia laccata con miele e n’duja (2009) Prima del dolce
Tiramisu All’Oro (2010)

disjunktiv
einander ausschließend, gegensätzlich, trennend

Ablenkung (Felix Stephan in der Zeit, 15.08.2015)
(…) Der amerikanische Philosoph Matthew Crawford schreibt, dass Ablenkung in der westlichen Kulturgeschichte traditionell ein Akt der Emanzipation gewesen ist: Uns wurde etwas vorgesetzt, auf das wir uns konzentrieren sollten, aber weil wir frei und unabhängig sind, haben wir einfach was anderes gemacht. Mittlerweile, sagt Crawford, sei der Impuls, sich ablenken zu lassen, aber völlig außer Kontrolle geraten: Heute sei der spontane Ausbruch zu einer Sucht geworden, die jede Situation, die länger als zwanzig Minuten dauert, automatisch wie ein Gefängnis aussehen lässt. Schon ein längeres Gespräch oder ein Spaziergang wirken für Ablenkungssüchtige wie Freiheitsberaubung. Die Ablenkung der Gegenwart sei „Autonomie, die Amok läuft“, formulierte kürzlich der New Yorker. (…)

Eudämonie
Glück, inneres, Glückseligkeit, seelisches Wohlbefinden, Unabhängigkeit von äußeren Umständen

Namen (orf, 03.08.2015)
Wer einen Franz, Josef oder Wolfgang kennt, wird damit kaum die Bekanntschaft mit einem kleinen Kind verbinden. Aus einem einfachen Grund: Kinder heißen in Österreich so nicht mehr. Auch nicht: Monika, Birgit, Doris.

Jugendwort 2015
„Discopumper“ (jemand, der nur trainiert, um im Klub gut auszusehen)
„Dia Bolo“ (hässliches Selfie)
„bambus“ (cool, krass)
„Smombie“ (Menschen, die wie gebannt mit dem Handy über die Straße gehen, Zusammensetzung von Smartphone und Zombie).
„merkeln“ (nichts tun, keine Entscheidung treffen)
„Earthporn“ (schöne Landschaft)
„rumoxidieren“ (chillen)
„Tinderella“ (für eine Frau, die exzessiv Online-Dating-Plattformen wie Tinder nutzt)
Vergangenes Jahr war „Läuft bei dir“ als Synonym für cool/krass gekürt worden. Mit dem Jugendwort des Jahres wirbt der Münchner Langenscheidt-Verlag seit 2008 für sich.

CELO & ABDI – Was genau singen die da eigentlich? (moritz von uslar, 03.07.2015)
Eine ganze Armada von zauberhaft fremdartig und lyrisch klingenden Wörtern verwenden Celo & Abdi als Ausdrücke für den Freund, den Kumpel, den Bruder: Diggah (Ableitung von „Dicker“), Azzlack (ein Neologismus, der sich aus den Wörtern „asozial“ und „Kanake“ zusammensetzt), Bratko (Slawisch für „Bruder“), Dadash (Persisch für „Bruder“), Chabo (Rumänisch für „Junge“), Babo (Bosnisch für „Boss“), Amo (Arabisch für „Onkel“) und, wie ein Songtitel heißt, der Amo aller Amos (Onkel aller Onkel). „Miskin“ ist Türkisch und Arabisch für „arme Person“, im Straßenslang wird es wie „Penner“ und „Opfer“ verwendet. Auch gut zu wissen: Lorinser ist ein Unternehmen, das sich auf das Tunen von Mercedes-Benz-Fahrzeugen spezialisiert hat. „Sektor 6-0“ steht für das Stadtgebiet Frankfurt am Main, dessen Postleitzahl mit 60 beginnt, „Mahala“ ist Bosnisch für „Stadtviertel“, das arabische „Ibaash“ steht für „Polizei“, der drastischere türkische Begriff „Amcas“ für „Bullen“. In der Sprache der Gewalt gibt es das „stöffen“, das so viel wie „weghauen, jemanden fertigmachen“ bedeutet, der „Basie“ ist der Baseballschläger, der „Todi“ der Totschläger.
Ganze Seiten ließen sich mit den Begriffen füllen, mit denen Celo & Abdi ihre natürliche Umgebung, das Milieu des Drogendealens und Drogenkonsumierens, beschreiben: Für Marihuana gibt es die Begriffe „Twizzla“, „OG Kush“, „Maui Wowie“, „Mary Jane“, „Jive“, „Hecke“ (Marihuana von minderer Qualität), für Kokain stehen „Flex“ (laut Genius.com Kokain, das mit mikroskopisch kleinen Glassplittern gestreckt wird), das arabische „Abiat“, „White Lady“, „Yayo“, das schöne Wort „Schnuff“. Das „Ticket“ steht für LSD, „K-Hole“ für eine Überdosis Ketamin, der „Talk Down“ ist das einfühlsame Sprechen mit jemandem, der auf einem schlechten Trip ist, mit dem „Frankfurter Applaus“ wird das „Klopfen mit ausgestreckten Fingern auf die Venen im Ellenbogen des anderen Armes, eine Vorbereitung auf intravenösen Drogenkonsum (meist Heroin) oder eine Anspielung darauf“ bezeichnet.
All diese Begriffe finden in den Liedtexten von Celo & Abdi Verwendung. Der Drogenbaron Pablo Escobar und die Patin des kolumbianischen Kokains Griselda Blanco kommen in diesen Texten genauso beiläufig vor wie der bosnische Fußballer Muhamed Bešić, der ukrainische Rapper Olexesh vom Frankfurter Label 385ideal, die amerikanische Straßengang Black Guerilla Army und der amerikanische Gang-Filmklassiker Blood In, Blood Out. Die Presse hat dem Rap-Duo Celo & Abdi vorgeworfen, in ihren Texten mit antiisraelischen und antisemitischen Stereotypen zu spielen – mag sein, dass hier eine dunkle Seite im Textwerk des Hip-Hop-Duos Celo & Abdi liegt: Im neuen Album lässt sich, auch bei genauer Exegese, kein Antisemitismus entdecken. Natürlich, man kann von der Drastik des Vokabulars, mit dem Celo & Abdi das kriminelle Milieu in Frankfurt feiern, hochleben lassen und romantisieren, erschrocken, vielleicht auch angewidert sein. Sehen und anerkennen muss man, dass das Rap-Duo eine im deutschen Pop ganz einzigartige, neuartige, eine grandios plastische und kickende Sprache gefunden hat. Wie jede Sprache, die sich der präzisen Wiedergabe einer Lebenswirklichkeit verschreibt, liegt hier eine hohe Poesie.

Christoph Niemann im MAK (30.06.2015)
Christoph Niemann, der „Visual Storyteller“, ist sowohl in den USA als auch in Europa ein gefragter Grafiker. Im Jahr 1970 in Waiblingen (Baden-Württemberg) geboren, übersiedelt er 1997 – nach Beendigung seines Studiums an der Stuttgarter Akademie der Bildenden Künste – nach New York, wo er rasch Erfolge feiert. Neben Aufträgen zur Gestaltung von Titelbildern für THE NEW YORKER, The New York Times und das Technologie-Magazin WIRED arbeitet Niemann für Google, Herman Miller und das MoMA. Im Jahr 2008 kehrt er nach intensiven elf Jahren im „Big Apple“ mit seiner Familie nach Deutschland zurück. Seine Arbeit wird gleichzeitig immer globaler. Er zeichnet nach wie vor für seine amerikanischen Auftraggeber, parallel dazu für deutsche Publikationen wie das ZEITmagazin und viele andere Kunden in Europa und Asien.
Christoph Niemann, der sich selbst einmal als „Politik- und Nachrichten-Junkie“ bezeichnet hat, greift in seinen Arbeiten aktuelle Themen – wie die Rüstungspolitik der USA oder die Katastrophe von Fukushima – auf, macht aber auch vergleichsweise banale Situationen – wie die einer schlaflosen Nacht, eines Besuchs der Kunstbiennale in Venedig oder eines Transatlantikflugs – zum Gegenstand grafischer Gestaltung. „Meine Bilder sollen nicht nur illustrieren, sondern zum Nachdenken anregen.“ Dabei legt er auf den selbsterklärenden Faktor grafischer Darstellung besonderen Wert, Text wird sparsam zur Pointierung des dargestellten Inhaltes verwendet. Niemann stellt auf diese Weise alltägliche Szenen und Bildklischees in neue und teilweise groteske Zusammenhänge und eröffnet den BetrachterInnen neue Blickwinkel. So lässt er Poesie im Alltäglichen, Ironie im Vertrauten und Tragik im Banalen entdecken.
Für die grafische Umsetzung seiner Ideen mischt er die klassische Feder und den Stift mit Digitalem, aber auch mit Materialien wie Teig, Laub, Banknoten oder Spielzeug. Er setzt Alltagsgegenstände wie Büroklammern, Kleiderbügel, Kaffeetassen oder Salzstreuer in freier Assoziation in unerwartete und teilweise ironische Zusammenhänge. Daneben schreibt und illustriert er Bücher für Erwachsene und Kinder und beschäftigt sich mit Neuen Medien, indem er Apps, interaktive Games und Computeranimationen kreiert.
Im Jahr 2013 sorgt Niemann mit dem Sujet Brooklyn Bridge für Aufsehen: Zwei Hände formen dabei, wie bei dem bekannten Fadenspiel für Kinder, das weltbekannte New Yorker Wahrzeichen. Der deutsche Bundespräsident Joachim Gauck schenkte US-Präsident Barack Obama bei dessen Berlin-Besuch 2013 einen Siebdruck der Arbeit, die mit ihrer pointierten Aussage stellvertretend für Niemanns Hang zur Reduktion und zur richtigen Balance zwischen Proportion und Farbe steht. Vergleichbar ist das Buchprojekt I Lego New York, in dem er mit den kleinen, abstrakten Steinchen typische New Yorker Szenen nachbaut. Zu einem der aktuellsten Projekte zählen die Illustrationen zu Erich Kästners Es gibt nichts Gutes, außer: Man tut es (Atrium Verlag, 2015). In diesem Buch illustriert Niemann die Texte und interpretiert das Verständnis zwischen Sprache und Bild neu.
Mit Österreich ist Christoph Niemann durch seine Arbeiten für die Rechtsanwaltssozietät WOLF THEISS verbunden, die regelmäßig mit Sujets des Berliner Grafikers in den österreichischen Tageszeitungen Der Standard und Die Presse inseriert. Die reduzierten Illustrationen, die mit viel Ironie und hintergründigem Witz die Angebote der Kanzlei bewerben, prägen sich bei den BetrachterInnen ein und schaffen auch beim österreichischen Publikum einen Wiedererkennungseffekt.
Kuratorin: Kathrin Pokorny-Nagel, Leitung MAK-Bibliothek und Kunstblättersammlung/Archiv

Resilienz (09.06.2015)
Resilienz geht zurück auf das lateinische Wort „resilire”, meint ursprünglich „abprallen” und wird heute als psychische und körperliche Widerstandsfähigkeit eines Menschen definiert. Es ist dies die menschliche Fähigkeit, Lebenskrisen unbeschadet zu bewältigen, Dauerstress zu ertragen, Krankheiten zu überwinden, psychische Gewalt zu verdauen, den Verlust von nahestehenden Menschen zu ertragen und Belastungen in den unterschiedlichen Lebensrollen auszuhalten, ohne anhaltende Beeinträchtigung von Leib und Seele. Resiliente Personen haben gelernt, dass sie es sind, die über ihr eigenes Schicksal bestimmen. Sie vertrauen nicht auf Glück oder Zufall, sondern nehmen die Dinge selbst in die Hand. Sie ergreifen Möglichkeiten, wenn sich diese bieten, sie haben ein realistisches Bild von ihren Fähigkeiten und haben Wege gefunden, ihre Resilienz bewusst oder unbewusst zu trainieren.

witzig (14.05.2015)
Jean-Paul Sartre is sitting in a cafe revising his first draft of Being and Nothingness. He says to the waitress, “I would like a cup of coffee please. No cream.” the waitress replies, “I’m sorry sir, but we’re out of cream. How about with no milk?”
A buddhist monk approaches a burger foodtruck and says “make me one with everything.” The buddhist monk pays with a $20 bill, which the vendor takes, puts in his cash box, and closes the lid. “Where’s my change?” the monk asks. The vendor replies, “change comes from within”.
A Roman walks into a bar and asks for a martinus. “You mean a martini?” asks the bartender. The Roman replies, “If I wanted a double, I would have asked for it.”
Another Roman walks into a bar, holds up two fingers, and says “Five beers please!”

Oculus Chair – Carl Hansen (07.05.2015)
Ein sehr beliebter und formschöner Sessel, der von Hans J. Wegner im Jahr 1960 entworfen wurde, aber erst seit 2010 produziert wird. Der Sessel ist auch unter dem lateinischen Namen „Oculus“, zu deutsch „Auge“, bekannt, was auf die runde Form der Rückenlehne, durch die ein „Auge“ in der Polsterung entsteht, zurückzuführen ist. Die geräumige, runde Rückenlehne und die ebenfalls großen Armlehnen bilden einen spannungsreichen Kontrast zu den leicht wirkenden Beinen aus Edelstahl. Er ist wahlweise mit Textil- oder Lederbezug und jeweils mit Beinen aus Edelstahl erhältlich. Design: Hans J. Wegner, 1960.  Zu dem Sessel ist auch eine passende Fußablage erhältlich (CH446).

Janteloven (05.05.2015)
Das Jantegesetz (norw./dän.: Janteloven, schwed.: Jantelagen) ist ein stehender Begriff für ein skandinavisches Verhaltensmuster.
Entwickelt hat es der dänisch-norwegische Autor Aksel Sandemose (1899–1965) in seinem Roman ‚Ein Flüchtling kreuzt seine Spur‘ (En flyktning krysser sitt spor) aus dem Jahr 1933.
Der Ausdruck Janteloven bzw. Jantelagen ist in allen skandinavischen Ländern gebräuchlich und allgegenwärtig. Das Jantegesetz beschreibt die kulturellen und politischen Umgangsformen, nach denen es verpönt ist, sich selbst zu erhöhen oder sich als besser und klüger darzustellen als andere:
1. Du sollst nicht glauben, dass du etwas Besonderes bist.
2. Du sollst nicht glauben, dass du uns ebenbürtig bist.
3. Du sollst nicht glauben, dass du klüger bist als wir.
4. Du sollst dir nicht einbilden, dass du besser bist als wir.
5. Du sollst nicht glauben, dass du mehr weißt als wir.
6. Du sollst nicht glauben, dass du mehr wert bist als wir.
7. Du sollst nicht glauben, dass du zu etwas taugst.
8. Du sollst nicht über uns lachen.
9. Du sollst nicht glauben, dass sich irgendjemand um dich kümmert.
10. Du sollst nicht glauben, dass du uns etwas beibringen kannst.
Manchmal wird auch noch als 11. Gebot angeführt: Glaub nur nicht, dass wir nicht über dich Bescheid wissen.
Eine Jante ist im Dänischen ein kleines Geldstück, vergleichbar mit dem Begriff Groschen im Deutschen. Das Jantegesetz ist also sozusagen das „Gesetz der recht und billig Denkenden“.

die anschlußfähigkeit meiner nachricht (01.05.2015):
guten morgen … was ist zeit … 1000 jahre sind ein tag … alles liebe, sundee
genial! was mir da dazu noch spontan einfällt…: „den glücklichen schlägt keine stunde“ (alex)
wer hat an der uhr gedreht? ist es wirklich schon so spät? stimmt es? dass es sein muss? ist für heute wirklich schluss? heute ist nicht alle tage, die spechte kommen wieder … keine frage! schiff ahoi & liebe grüße claudia
o tempora, o mores! (stefan)
Gute Erfindung diese Uhr! Komisch, dass man das nicht öfter sieht – dann könnte man seine Lieblingsdestination einstellen! Eine Geschäftsidee?! Schöne Tage in Stockholm!!! Liebe Grüße, Ralf

Giselle (24.04.2015)
Giselle ist ein romantisches Ballett in zwei Akten nach einem Libretto von Theophile Gautier. Inspiriert wurde Gautier durch die Sage der Wilis aus De l’Allemagne (1835) von Heinrich Heine. Die Wilis sind darin junge Frauen, die vor ihrer Hochzeit gestorben sind. Da jedoch die Tanzlust in ihren toten Herzen weiterschlägt, verlassen ihre Geister des Nachts ihre Gräber, um an Wegkreuzungen zu tanzen. Sollten sie dabei eines Lebenden habhaft werden, so tanzen sie so lange und wild mit ihm, bis dieser tot umfällt.
Die Musik zum Ballett stammt von Adolphe Adam. Der eingeschobene Pas de deux des bäuerlichen Brautpaares wurde von Friedrich Burgmüller komponiert. Weitere musikalische Erweiterungen für die Petersburger Fassungen von Marius Petipa wurden durch Léon Minkus eingefügt.
Die erste Giselle war Carlotta Grisi. Ihr Lebenspartner Jules Perrot entwarf für sie die komplette Choreografie. Jean Coralli zeichnete für die restlichen Gruppen- und Solotänze verantwortlich. Der erste Albrecht war Lucien Petipa, der Bruder von Marius Petipa.
Giselle wurde an der Pariser Oper am 28. Juni 1841 in einer Choreografie von Jean Coralli und Jules Perrot uraufgeführt.
Die Uraufführung von Giselle unterschied sich von der heute bekannten Version in vielerlei Hinsicht. Marie Taglionis erster Spitzentanz lag erst wenige Jahre zurück und die Tänzer waren weit von der heutigen Technik entfernt. Außerdem enthielt das Stück wesentlich mehr pantomimische Teile, die nach und nach durch Tanzschritte ersetzt wurden. Bereits Fanny Elßler verlangte, kurze Zeit nach der Premiere, Veränderungen im Ablauf, die ihrem Talent als dramatische Darstellerin gerecht wurden. Die meisten der traditionellen klassischen Interpretationen beruhen auf Marius Petipas letzter Petersburger Fassung von 1887, für die er unter anderem das ganze Corps de ballet der Wilis auf Spitze tanzen ließ.
Nach langer Vergessenheit in Westeuropa, die letzte Vorstellung in Paris lief 1868, brachten Sergei Djagilews Ballets Russes 1910 Giselle in Paris auf die Bühne zurück. Seither gehört es zum Standardrepertoire fast aller bedeutender Ballettkompanien.
Neben La Sylphide ist Giselle eines der ersten Stücke in dem die Ballerina ein wadenlanges Tutu trägt.
Bis heute ist die Giselle eine der begehrtesten Rollen für klassische Ballerinen. Neben der Erstinterpretation durch Carlotta Grisi haben vor allem die Interpretationen von Olga Spessivtseva, Alicia Markowa, Galina Ulanowa, und Eva Evdokimova Ballettgeschichte geschrieben. Andere bekannte Interpretinnen sind Anna Pawlowna Pawlowa, Tamara Karsavina, Alicia Alonso, Natalia Makarowa, Gelsey Kirkland, Carla Fracci und Alessandra Ferri.
Bekannte Neudeutungen des Stoffes stammen von Mats Ek (Cullberg Ballett, 1982), Arthur Mitchell (Dance Theatre of Harlem, 1984), Marcia Haydée (Stuttgarter Ballett, 1989), Stephan Thoss (Kiel, 1999) und David Dawson (Semperoper Ballett, 2008).
Handlung
1. Akt: In einem Dorf
Giselle, ein liebenswertes Mädchen, lebt mit ihrer Mutter in einem kleinen Dorf. Der örtliche Förster Hilarion ist unsterblich in sie verliebt.
Prinz Albrecht, der bereits mit der adligen Barthilde verlobt ist, fühlt sich einsam und gelangweilt. Albrecht, bezaubert von Giselles Schönheit und Unschuld, verkleidet sich als Bauer, kauft den angrenzenden Hof und beginnt, um Giselle zu werben. Hilarion beobachtet eifersüchtig, wie sich Giselle verliebt und glaubt, mit Albrecht verlobt zu sein. Giselles Mutter hat eine Vorahnung, dass ihre Tochter eine jener Wilis werden wird, die zwischen Mitternacht und Sonnenaufgang junge Männer in ihr Verderben führen. Als Hilarion Albrechts Verkleidung auffliegen lässt, stürzt sich Giselle gebrochenen Herzens in Albrechts Schwert.
In anderen traditionellen Versionen stirbt Giselle ausschließlich an gebrochenem Herzen.
2. Akt: Auf einer Lichtung
Hilarion hält Totenwache an Giselles Grab. Als es auf Mitternacht zugeht, erscheinen die Wilis mit ihrer Königin Myrtha, um Giselle in ihre Reihen aufzunehmen. Albrecht, gramgebeugt von Schuld und Reue, besucht Giselles Grab. Als er eine Vision von Giselles Geist hat, folgt er ihr in den Wald. Zur selben Zeit entdeckt Myrtha Hilarion und tanzt mit ihren Wilis mit ihm, bis er vor Erschöpfung stirbt. Als Myrtha kurz danach Albrecht findet, will sie auch ihn zwingen, mit den Wilis zu tanzen, aber er wird durch die Liebe Giselles geschützt.
Im Morgengrauen verlieren die Wilis ihre Macht und Albrecht ist gerettet. Giselle vergibt ihm und löst sich im Morgengrauen in Nebel auf.
Ende, Version 1: Albrecht bricht am Grab Giselles zusammen.
Ende, Version 2: Barthilde findet Albrecht am Grab Giselles und gemeinsam verlassen sie die Lichtung.
Ende, Version 3: Albrecht verlässt lebend aber allein die Lichtung.
Berühmte Passagen
Giselles Solo aus dem 1. Akt
Immer wieder Anlass für spontanen Applaus sind die 12 Takte, während denen die Solistin über die gesamte Bühnendiagonale auf dem gleichen Bein hüpft (temps levés sur pointe).
der Bauern-Pas-de-deux aus dem 1. Akt
Besonders virtuos sind hier die zahlreichen battierten Sprünge in den Variationen der Tänzer.
der Grand Pas de deux der Giselle und des Albrecht aus dem 2. Akt
Um den Kampf um Albrechts Leben tänzerisch darzustellen, wurden im Laufe der Werksgeschichte immer virtuosere Sprungfolgen in Variationen und Coda eingebaut. So werden vom Tänzer 30 entrechats six gefordert, ein Kunststück, das in den wenigsten Fällen gelingt.

Republik Užupis in Vilnius (23.04.2015)
Einige Bewohner riefen als Kunstaktion die unabhängige Republik Užupis aus, die über eine Verfassung, eine Flagge und einen Präsidenten verfügt. Die zwölf Mann starke Armee wurde wieder aufgelöst, weil niemand Angst vor der Republik hatte. Das Parlamentsgebäude ist das Café Užupio Kavinė („Café von Užupis“), dort ist auf einer Bronzetafel die Verfassung niedergelegt worden:
Jeder Mensch hat das Recht, beim Fluss Vilnia zu leben, und der Fluss Vilnia hat das Recht, an jedem vorbei zu fließen.
Jeder Mensch hat das Recht auf heißes Wasser, Heizung im Winter und ein gedecktes Dach.
Jeder Mensch hat das Recht zu sterben, aber das ist keine Pflicht.
Jeder Mensch hat das Recht, Fehler zu machen.
Jeder Mensch hat das Recht, einzigartig zu sein.
Jeder Mensch hat das Recht zu lieben.
Jeder Mensch hat das Recht, nicht geliebt zu werden, aber nicht notwendigerweise.
Jeder Mensch hat das Recht, gewöhnlich und unbekannt zu sein.
Jeder Mensch hat das Recht, faul zu sein.
Jeder Mensch hat das Recht, eine Katze zu lieben und für sie zu sorgen.
Jeder Mensch hat das Recht, nach dem Hund zu schauen, bis einer von beiden stirbt.
Ein Hund hat das Recht, ein Hund zu sein.
Eine Katze ist nicht verpflichtet, ihren Besitzer zu lieben, aber muss in Notzeiten helfen.
Manchmal hat jeder Mensch das Recht, seine Pflichten nicht zu kennen.
Jeder Mensch hat das Recht auf Zweifel, aber das ist keine Pflicht.
Jeder Mensch hat das Recht, glücklich zu sein.
Jeder Mensch hat das Recht, unglücklich zu sein.
Jeder Mensch hat das Recht, still zu sein.
Jeder Mensch hat das Recht zu vertrauen.
Niemand hat das Recht, Gewalt anzuwenden.
Jeder Mensch hat das Recht, für seine Unbedeutsamkeit dankbar zu sein.
Niemand hat das Recht, eine Ausgestaltung der Ewigkeit zu haben.
Jeder Mensch hat das Recht zu verstehen.
Jeder Mensch hat das Recht, nichts zu verstehen.
Jeder Mensch hat das Recht zu jeder Nationalität.
Jeder Mensch hat das Recht, seinen Geburtstag nicht zu feiern oder zu feiern.
Jeder Mensch sollte seinen Namen kennen.
Jeder Mensch kann teilen, was er besitzt.
Niemand kann teilen, was er nicht besitzt.
Jeder Mensch hat das Recht, Brüder, Schwestern und Eltern zu haben.
Jeder Mensch kann unabhängig sein.
Jeder Mensch ist für seine Freiheit verantwortlich.
Jeder Mensch hat das Recht zu weinen.
Jeder Mensch hat das Recht, missverstanden zu werden.
Niemand hat das Recht, jemand anderem die Schuld zu geben.
Jeder hat das Recht, individuell zu sein.
Jeder Mensch hat das Recht, keine Rechte zu haben.
Jeder Mensch hat das Recht, keine Angst zu haben.
Lass dich nicht unterkriegen!
Schlag nicht zurück!
Gib nicht auf!

Notable sufferers of Dupuytren
Actors David McCallum, Bill Nighy, and Michael Parks, politicians Bob Dole, Ronald Reagan, and Margaret Thatcher, playwright Samuel Beckett, pianist Misha Dichter, 16th-century slave trader John Hawkins, and Prince Joachim of Denmark.

Fremdwörter gelernt 2015
Orographie – Beschreibung aller Oberflächenformen der Erde, Gebirgskunde
kombustibel – verbrennbar, leicht
renumerieren – rückerstatten, zurückgeben, zurückzahlen
Rekrudeszenz – Wiederverschlimmerung
Nanismus – Zwergenwuchs
kryptomer – unsichtbar für das bloße Auge, verborgen
Rutilismus – Rotfärbung
Hetakombe – Massenopfer, Menschenverluste in hoher Zahl
nomothetisch – gesetzgebend
Skarifikation – Blutentzug durch viele kleine Hauteinschnitte
spoliieren – berauben, plündern
indolent – gleichgültig, lässig, träge
ralliieren – wieder vereinen
Indulgenz – Milde, Nachsicht, Schonung

Setlist (01.04.2015)
Paul Simon & Sting – Brand New Day
Paul Simon & Sting – The Boy in the Bubble
Paul Simon & Sting – Fields of Gold
Paul Simon & Sting – Mother and Child Reunion
Sting – So Lonely
Sting – When the World Is Running Down, You Make the Best of What’s Still Around
Sting – Englishman in New York
Sting – Shape Of My Heart
Sting – Driven to Tears
Sting – Walking on the Moon
Paul Simon & Sting – Mrs. Robinson
Paul Simon – 50 Ways to Leave Your Lover
Paul Simon – Dazzling Blue
Paul Simon – That Was Your Mother
Paul Simon – Still Crazy After All These Years
Paul Simon – Me and Julio Down by the Schoolyard
Paul Simon & Sting – Fragile
Sting – America
Sting – Message in a Bottle
Sting – The Hounds of Winter
Sting – The End of the Game
Sting – Roxanne / Ain’t No Sunshine
Sting – Desert Rose
Paul Simon & Sting – The Boxer
Paul Simon – Gumboots
Paul Simon – The Cool, Cool River
Paul Simon – Hearts and Bones
Paul Simon – Mystery Train
Paul Simon – Wheels
Paul Simon – Diamonds on the Soles of Her Shoes
Paul Simon – You Can Call Me Al
Paul Simon & Sting – Cecilia
Paul Simon & Sting – Every Breath You Take
Paul Simon & Sting – Bridge Over Troubled Water
Paul Simon & Sting – When Will I Be Loved? (The Everly Brothers cover)

Sting & Paul Simon begeisterten in der Wiener Stadthalle (apa/herbert neubauer, 2. April 2015)
“Roxanne” vs. “Cecilia”: Am 1. April boten Sting und Paul Simon bei ihrem Konzert in Wien eine 180-minütige Leistungsschau, durchtränkt von feinster Spiellaune, hohem Niveau und 1-A-Songs. 20 Jahre lang bewohnten Sting und Paul Simon dasselbe Haus in Manhattan, man traf sich ab und zu im Lift, borgte sich Milch oder Zucker, manchmal spielten sie einander ihre Musik vor. 2013 wurden beide für eine Charity-Gala gebucht, kurzerhand beschlossen sie, bei dieser Gelegenheit gemeinsame Sache zu machen. Das funktionierte derart gut, dass sie eine Tournee in Angriff nahmen – 21 Konzerte in den USA im Vorjahr mit einer Fortsetzung in Down Under, seit März steht Europa auf dem Programm. Stellt sich die Frage: Der Artfolk-Architekt und der New-Wave-Pionier – wie soll das zusammengehen? Ganz einfach: Weil Sting (63, Vollbart, fliehende Stirn) in seinem Solo-Oeuvre auf post-punkige Ausprägungen zur Gänze verzichtet hat und Paul Simon (73, rasiert, mit Hut, damit drunter nichts abhaut) auch Kompositionen fernab von Lagerfeuerromantik samt ersten feuchten, durch Zahnspangen erschwerte Küsse zu Papier gebracht hat, kommt man mit etlichen musik-mathemischen Operationen schon auf eine annehmbare Gleichung. Der Umkehrschluss ist ihr Zugang zur Weltmusik und ihr unverkennbares Faible für Reggae, beides liefert die Grundlage für mehr Gemeinsamkeiten, als man auf den ersten Blick vermuten würde. Dass beide ein Musical auf die Bühne gebracht haben und damit ordentlich auf die Schnauze gefallen sind, lassen wir jetzt mal unerwähnt. Also: Keine beschränkten Berührungspunkte, dafür aber eine mehrfach in sich verschränkte Darbietung. Schon der erste Blick in die Halle ließ vermuten: Da wird heute Abend viel gearbeitet werden. Gleich dem Finale eines bezirksweiten Musikschulwettbewerbs präsentierte sich die Bühne vollgeräumt mit Instrumenten aller Kategorien. Beide Herren hatten ihre Entourage (16 Musiker) mit dabei – offene Türen und Tore für einen Synergieflow sondergleichen. Der bescheidene Beleuchtungsaufbau, dem später aber reichlich Lichtstimmung entsprang, verstand sich als Absage an jegliche Ablenkung durch High-Tech-Effektefirlefanz und machte damit klar, was es einzig und allein für einen fulminanten Konzertabend braucht: Gute Songs. Und derer gab es 33 Stück. “On Stage Together” nennt sich die Tournee. Und das ist weitestgehend wörtlich zu nehmen. Mit einem Appetizer im Viererpack – “Brand New Day”, “Boy In The Bubble” (mit Startschwierigkeiten), “Fields Of Gold” und “Mother And Child Reunion” eröffneten sie die hochwertige Retroparty und boten damit Einblick auf das, was noch kommen sollte. Je zwei solistische Kurzsets, unterbrochen von Duetten, wo der eine des anderen Liedgut intoniert und vice versa. Als erster “Solist” war Sting an der Reihe, der, plötzlich allein gelassen sicherlich nicht zufällig “So Lonely”, aufgemotzt mit einem fantastischen Tuba-Gesang-Dialog, zum Vortrage brachte. Simon punktete erwartbarerweise am stärksten mit seinen “Graceland”-Hits “Diamonds On The Soles Of Her Shoes” und “You Can Call Me Al”. Welch genialer Songwriter er aber ist, zeigte er auch und vor allem mit weniger prominenten Titeln a la “Hearts And Bones” oder “That Was Your Mother”. So sehr die Stars des Abends auf der Bühnenrampe glänzten, die beiden Bands im Hintergrund ließen einen schreien vor Glück – in Gedanken, versteht sich. Wohl mit ein Grund, warum beim durchgehend bestuhlten Konzert soviel gestanden, getanzt und gehüpft wurde. Wer jetzt wem noch einmal die vollen großen Hallen zu verdanken hat, soll beantworten wer will. Die Sting- und Simon-Fan-Fraktionen lagen sich nach kürzester Zeit in den Armen. “Mrs. Robinson”, “Fragile” oder “Bridge Over Troubled Water” im Duett können zwar ganz schön ins Auge gehen, das Gegenteil war aber der Fall. Die Unterschiede zwischen den beiden Legenden bezüglich Provenienz, musikalischem Background, Körpergröße und Alter ließen sich schlagzeilenartig reduzieren auf ein “Roxanne vs. Cecilia”. Aber das wäre falsch, denn das “vs.” ist im Sinne des Abendmottos “Together” mit einem “&” zu ersetzen. Und ist es nicht so, dass hinter zwei erfolgreichen Männern immer zwei Frauen stehen? So seien stellvertretend für die Gesamtdarbietung die beiden Damen für dieses wahre Konzert-Highlight verantwortlich gemacht, das durchaus Möglichkeiten für ein vielleicht künftiges Joint Venture eröffnet: Art Garfunkel & The Police.

No Woman, No Cry (26.03.2015)
No Woman, No Cry ist eine Reggae-Ballade von Bob Marley. Sie wurde berühmt durch den siebenminütigen Konzertmitschnitt auf dem 1975 veröffentlichten Live!-Album. Erstmals veröffentlicht wurde sie 1974 auf dem Album Natty Dread von Bob Marley & the Wailers. Der Titel ist in Jamaika-Kreolisch verfasst und bedeutet im Englischen “No, woman, don’t cry”, also „Nein, Frau, weine nicht“ und nicht wie häufig angenommen „Keine Frau, kein Weinen“.

Über Harald Gangl (23.03.2015)
Harald Gangl reduziert in dem Maße, in dem die Fülle seiner Bildsprache zunimmt – je mehr er sich abverlangt, je tiefer er in die Farbtöne eintritt, um so reicher ist das Ergebnis – reich an gedanklicher Fülle, aber auch reich an ertastbarem und fühlbarem Material. Wenn wir uns nun nach langer Zeit von dem Bild abgewandt haben, bleibt mehr ein Geschmack und ein Klang in uns zurück, als eine bildliche Vorstellung. Wir haben, ohne es zu merken, mit dem Bild gesprochen, es hat uns in eine wortreiche Unterredung verwickelt, einmal ganz laut, dann wieder ganz leise. Und wir haben, ohne es erkannt zu haben, einen Ausschnitt der Welt gesehen: Wir haben unterschieden zwischen Himmel und Erde, haben einen Schneesturm gesehen die Oberfläche einer Lacke oder die weite Landschaft Afrikas, das Flimmern über der Wüste oder den Sprühregen eines Wasserfalls im fernöstlichen China. Auf jeden Fall ist es eine ganze Menge, auf jeden Fall viel zu viel, um es mit dem losen Wort „Abstraktion“ abzutun – und wenn wir nur sagen können, es ist „schön“, so sei uns das zugestanden, denn um die ganze Fülle der Erlebniswelt auszudrücken, die wir durchlebt haben, fehlen uns die Worte.

business und life advice von Bucks Fizz‘ Making Your Mind Up (15.03.2015)
You’ve got to speed it up / and then you’ve got to slow it down / ‚cos if you believe that a love can hit the top / you’ve got to play around / and soon you will find / that there comes a time /for making your mind up.
You’ve got to turn it on / and then you’ve got to put it out. / You’ve got to be sure that it’s something / everybody’s gonna talk about / before you decide that the time’s arrived / for making your mind up.
Don’t let your indecision / take you from behind. / Trust your inner vision, / don’t let others change your mind.
and then you’ve really got to burn it up / and make another fly by night, / get a run for your money and take a chance / that it’ll turn out right / and when you can see how it’s gonna be / you’re making your mind up.
And try to look as if you don’t care less / but if you wanna see some more / bending the rules of the game / will let you find the one you’re looking for / and then you can show / that you think you know / you’re making your mind up.
And now you’ve really got to speed it up / and then you’ve got to slow it down / ‚cos if you believe that a love can hit / the top you’ve got to play around / and soon you will find that / there comes a time / for making your mind up.

Mercer (13.03.2015)
Wien belegt in der aktuell veröffentlichten Mercer- Studie der lebenswertesten Städte erneut Platz eins. Dahinter folgen Zürich, Auckland (Neuseeland) und München. Schlusslicht ist Bagdad. 230 Städte weltweit wurden anhand von 39 Kriterien bewertet, und zwar von Mitarbeitern, die dorthin entsandt worden waren. Die Beratungsgesellschaft Mercer erstellt dieses Ranking alljährlich, Wien hält seit sechs Jahren ununterbrochen die Spitze.

Oscars (22.02.2015)
Bester Film: „Birdman or (The Unexpected Virtue of Ignorance)“
Regie: Alejandro Gonzalez Inarritu („Birdman or (The Unexpected Virtue of Ignorance)“)
Hauptdarsteller: Eddie Redmayne („The Theory of Everything“)
Hauptdarstellerin: Julianne Moore („Still Alice“)
Nebendarstellerin: Patricia Arquette („Boyhood“)
Nebendarsteller: J. K. Simmons („Whiplash“)
Nicht englischsprachiger Film: „Ida“ (Polen, Regie: Pawel Pawlikowski)
Kamera: „Birdman or (The Unexpected Virtue of Ignorance)“
Originaldrehbuch: „Birdman or (The Unexpected Virtue of Ignorance)“
Adaptiertes Drehbuch: „The Imitation Game“ („The Imitation Game“)
Schnitt: „Whiplash“
Filmmusik: Alexandre Desplat („Grand Budapest Hotel“)
Filmsong: „Glory“ („Selma“)
Produktionsdesign: „Grand Budapest Hotel“
Tonschnitt: „American Sniper“
Tonmischung: „Whiplash“
Spezialeffekte: „Interstellar“
Animationsfilm: „Big Hero 6“
Animationskurzfilm: „Feast“
Dokumentarfilm: „Citizenfour“
Dokumentarkurzfilm: „Crisis Hotline: Veterans Press 1“
Make-up/Frisur: „Grand Budapest Hotel“
Kostümdesign: „Grand Budapest Hotel“
Kurzfilm: „The Phone Call“

Fragebogen (Max Frisch, 1966)
1. Sind Sie sicher, daß Sie die Erhaltung des Menschengeschlechts, wenn Sie und alle Ihre Bekannten nicht mehr sind, wirklich interessiert?
2. Warum? Stichworte genügen.
3. Wieviele Kinder von Ihnen sind nicht zur Welt gekommen durch Ihren Willen?
4. Wem wären Sie lieber nie begegnet?
5. Wissen Sie sich einer Person gegenüber, die nicht davon zu wissen braucht, Ihrerseits im Unrecht und hassen Sie eher sich selbst oder die Person dafür?
6. Möchten Sie das absolute Gedächtnis?
7. Wie heißt der Politiker, dessen Tod durch Krankheit, Verkehrsunfall usw. Sie mit Hoffnung erfüllen könnte? Oder halten Sie keinen für unersetzbar?
8. Wen, der tot ist, möchten Sie wiedersehen?
9. Wen hingegen nicht?
10. Hätten Sie lieber einer anderen Nation (Kultur) angehört und welcher?
11. Wie alt möchten Sie werden?
12. Wenn Sie Macht hätten zu befehlen, was Ihnen heute richtig scheint, würden Sie es befehlen, gegen den Widerspruch der Mehrheit? Ja oder Nein.
13. Warum nicht, wenn es Ihnen richtig scheint?
14. Hassen Sie leichter ein Kollektiv oder eine bestimmte Person und hassen Sie lieber allein oder im Kollektiv?
15. Wann haben Sie aufgehört zu meinen, daß Sie klüger werden oder meinen Sie’s noch? Angabe des Alters.
16. Überzeugt Sie Ihre Selbstkritik?
17. Was, meinen Sie, nimmt man Ihnen übel und was nehmen Sie selbst übel, und wenn es nicht dieselbe Sache ist: wofür bitten Sie eher um Verzeihung?
18. Wenn Sie sich beiläufig vorstellen, Sie wären nicht geboren worden: beunruhigt Sie diese Vorstellung?
19. Wenn Sie an Verstorbene denken: wünschten Sie, daß der Verstorbenen zu Ihnen spricht, oder möchten Sie lieber dem Verstorbenen noch etwas sagen?
20. Lieben Sie jemand?
21. Und woraus schließen Sie das?
22. Gesetzt den Fall, Sie haben nie einen Menschen umgebracht, wir erklären Sie es sich, daß es dazu nie gekommen ist?
23. Was fehlt Ihnen zum Glück?
24. Wofür sind Sie dankbar?
25. Möchten Sie lieber gestorben sein oder noch eine Zeit leben als gesundes Tier? Und als welches?

FRAZEY FORD – INDIAN OCEAN (09.01.2015)
Diese außergewöhnliche Platte wäre nie zustande gekommen, hätte Filmemacher Robert Gordon nicht zufällig einen Song von Frazey Ford im Radio gehört und sie daraufhin eingeladen, für seine Dokumentation über den Memphis-Soul in den Royal Studios von Produzentenlegende Willie Mitchell einen Song aufzunehmen. Auf ihrem ersten Soloalbum lieferte Ford, die bis 2008 im Folktrio The Be Good Tanyas spielte, solide, aber etwas beliebige Arbeit ab: Obadiah lag 2010 zwischen Folk und Soft Jazz. Mit Indian Ocean ist alles anders. Wachgeküsst vom Memphis Soul und unterstützt von Al Greens Band The Hi Rhythm Section, die in den 70er-Jahren verantwortlich für den ikonografischen Sound seiner Produktionen zeichnete, entstanden zehn Songs, die man als kleine Sensationen bezeichnen darf. Mit ihrer warmen Stimme verleiht Ford Stücken wie „Three Golden Trees“ oder „Weather Pattern“, in denen sie sich berührend mit der Sterblichkeit aller Dinge auseinandersetzt, ein unwiderstehliches Ambiente. So viele Wahrheiten waren zuletzt selten gebündelt in der Dreiviertelstunde einer Platte zu hören.

Wye Oak (15.01.2014)
Wye Oak, a Baltimore-based indie rock duo comprising Jenn Wasner (guitar, vocals) and Andy Stack (drums, keyboards, vocals), took their name from a symbolic 460-year-old tree in their home state of Maryland. Formed in 2006 under the moniker Monarch, Wasner and Stack recorded their first album in varied spots, bouncing around various basements and apartments, eventually landing a record deal with indie heavyweight Merge. The label would go on to release the act’s 2008 debut, If Children, as well as the 2009 follow-up Knot and 2010 EP My Neighbor/My Creator. By the time of their 2011 self-produced album, Civilian, which was also released by Merge, Wasner and Stack had refined their sound to a fine point and had gained a devoted following. After the record’s release, the duo embarked on a lengthy tour that left them completely spent and in need of a break. Once finished with their obligations, Stack relocated to Texas and Wasner launched two new projects, the more experimental Flock of Dimes and the electronic R&B duo Dungeonesse with songwriter/producer Jon Ehrens. When the time came to get back to Wye Oak, Wasner switched from guitar to bass, feeling that they had exhausted their previous guitar-based approach. Relying more on synths and drum machines and adding in some R&B influences in place of folk, their fourth album, Shriek, was recorded at the Rare Book Room with Nicolas Vernhes and released by Merge in April of 2014.

Apostasie (08.01.2015)
Der Ausdruck Apostasie (griechisch ἀποστασία apostasía ‚Abfall‘; von ἀφίσταμαι aphistamai ‚abfallen‘, ‚wegtreten‘) bezeichnet die Abwendung von einer Religion durch einen förmlichen Akt (beispielsweise Kirchenaustritt oder Übertritt zu einem anderen Bekenntnis, Konversion). Jemand, der Apostasie vollführt, ist ein Apostat. Während Häresie nur eine oder mehrere überlieferte Lehren der Religion bestreitet, besteht die Apostasie in der Ablehnung der verlassenen Religion als solche.

Bankrott (05.01.2015)
heißt die Zahlungsunfähigkeit eines Schuldners. Rechtlich handelt es sich um einen Konkurs mit strafrechtlichen Folgen. Es gibt den einfachen Bankrott (fahrlässig) und den betrügerischen Bankrott (vorsätzlich). Wie viele Begriffe der modernen Finanzwelt stammt das Wort Bankrott aus dem Italienischen, und zwar von »banca rotta«, was »zerbrochene Bank« bedeutet (nach dem Tisch der Geldwechsler, der den späteren Banken den Namen gab).