extras 2017

Goodgoods
Sofia Podreka und Katrin Radanitsch bieten unter dem Namen „Goodgoods” nachhaltige Designprodukte aus geschützten Werkstätten. „Die Essenz der Initiative liegt in der Vernetzung der Fähigkeiten von Menschen mit Behinderung und Designern. Im Dialog mit den Beschäftigten der Werkstätten können die Designer die Produkte genau auf deren Fähigkeiten und technische Möglichkeiten hin entwerfen”, erklärt Podreka. Vorsichtig werden neue Arbeitsabläufe oder bisher nicht verwendete Materialien eingeführt. „In der fruchtbaren Zusammenarbeit entsteht so Einfaches, Nutzbringendes für Leben und Haushalt”, fügt Radanitsch hinzu. http://www.goodgoods.at

18 signs that you’ve become Viennese by Vienna Würstelstand’s Jacob Moss, Sofie Mayer and Gioia Zloczower (20.11.2017)
Maybe you came here for love, or to study, or for the Schnitzels. Maybe you were born here, or maybe you thought you were buying a ticket to Australia, but it was actually for Austria and when you arrived, you tried the cake and decided to stay. However you ended up in Vienna, at some point you’ll find yourself transforming from ‘human’ into ‘Viennese.’
Here are 18 signs that the transformation has already begun, and you’re becoming Viennese:
1. You stop at a red light and wait patiently
2. You’re confident enough to call “Zweite Kassa, bitte!” in the supermarket
3. You are ok with drinking really average coffee for the sake of spending hours in one of Vienna’s comfy coffeehouses
4. Sundays no longer scare you (You’re trained in having a full fridge of supplies to get you through the shut down. You are also not panicking when thinking about what the hell you’re going to do on Sunday when the whole city becomes a ghost town.)
5. The sentence, “Ich brauche kein Sackerl” just rolls off your tongue, like other phrases such as, ‘Bist Du deppert!,’ or ‘Gemma!’ or ‘Passt schon’
6. You don’t do any loud work at home after 10pm, or on a Sunday – you even try to vacuum quietly
7. You know the difference between a Melange, a Kleiner Brauner and a Cappuccino
8. You become surprisingly defensive when somebody claims that a Kipferl or Käsekrainer wasn’t invented in Vienna
9. You’re used to getting an eye-roll from the person behind the Wurst counter in the supermarket when you ask them to cut the Wurst fresh
10. You already have a brunch reservation for a Saturday two weeks from now
11. You don’t even try reaching anyone in an office on a Friday after 2pm
12. You choose your socks wisely in the morning, because you know when you visit a friend’s home, you’ll have to take your shoes off inside
13. You don’t talk on your phone in a doctor’s waiting room, or on public transport and find yourself having dark thoughts about the people that do
14. You say “Grüß Gott” to strangers instead of “Guten Tag” and never think about what it actually means
15. You choose the empty seat furthest away from the other person in the U-Bahn, bus or Straßenbahn (tram) to sit down
16. You put a sign out in your building letting your neighbours know when you’re having a party
17. It takes an offer of free drinks as an incentive for you to meet your friends outside of your Grätzl (neighbourhood)
18. You’re so f*** well behaved

wer darf in den österreichischen Polizeidienst eintreten?
Ich habe eine Tätowierung am Unterarm – ist eine Aufnahme möglich?
NEIN – die Tätowierung darf bei der Sommeruniform (mit Kurzarmhemd) nicht sichtbar sein.
Eine Aufnahme wäre erst möglich, wenn die Tätowierung entfernt wird.

Die Gegenwart (Karoline Christiane Louise Rudolphi, 1754 – 1811)

Kurz, ach kurz ist diese Spanne Leben!
Und – wie’s unsichtbare Hände weben,
Bleibt’s, o Sterblicher! gewebt.
Nichts ist, das den kalten Boten ferne;
Eilend kommt und löscht er die Laterne:
Wer gelebt hat, hat gelebt. –

Leere denn des Lebens vollen Becher
Still und fröhlich, eh‘ das Lämpchen schwächer,
Dem Verlöschen näher scheint.
O genieß, genieß, was dir beschieden;
Gönne deinem armen Herzen Frieden:
Sey, o Mensch! dein eigner Freund.

Laßt uns froh das Heute heute nützen,
Nur genießen heißt wahrhaft besitzen;
Wer nur sehnend vorwärts strebt,
Immer aus der Zukunft Füllhorn naschet,
Wer die Gegenwart nicht eilend haschet,
Hat geträumt, hat nicht gelebt.

Leb‘, o lebe; denn mit raschem Schritte
Eilt der Bote vom Palast zur Hütte,
Löscht, wie’s kommt, die Fackel, strebt
Jeglichen Moment nach neuer Beute:
Willst du leben, thu es heute, heute!
Wer gelebt hat, hat gelebt.

Ho sceso, dandoti il braccio, almeno un milione di scale di Eugenio Montale (15.09.2017)
Ho sceso, dandoti il braccio, almeno un milione di scale
e ora che non ci sei è il vuoto ad ogni gradino.
Anche così è stato breve il nostro lungo viaggio.
Il mio dura tuttora, né più mi occorrono
le coincidenze, le prenotazioni,
le trappole, gli scorni di chi crede
che la realtà sia quella che si vede.

Ho sceso milioni di scale dandoti il braccio
non già perché con quattr’occhi forse si vede di più.
Con te le ho scese perché sapevo che di noi due
le sole vere pupille, sebbene tanto offuscate,
erano le tue.
Ho sceso, dandoti il braccio, almeno un milione di scale è la poesia n. 5 di Xenia II di Eugenio Montale, poi all’interno della raccolta Satura. È una delle più note liriche scritte in memoria della moglie Drusilla Tanzi, ed è stata composta nel novembre del 1967.

Veit Heinichen
Die europäische Gegenwart im Spiegel des Kriminalromans (18.07.2017)

Die Romane von Veit Heinichen spielen in Triest und dem Grenzgebiet der Oberen Adria, zwischen Italien, Österreich, Slowenien, Kroatien und Deutschland. Es ist, nach den Worten des Autors, eine Schnittstelle Europas, in dem die drei großen europäischen Kulturen aufeinandertreffen: die romanische, slawische und germanische, und ein ideales Observatorium der politisch-historischen, wirtschaftlichen und sozialen Veränderungen in Zentraleuropa. Dieses Gebiet wurde vom Lauf der Entwicklungen der europäischen Geschichte seit Beginn des 20. Jahrhunderts bis in die Gegenwart am deutlichsten gekennzeichnet. Die multiethnische und vielsprachige Grenz- und Hafenstadt Triest ist ein idealer Ausgangspunkt für Heinichens Romane, die Themen von höchster Aktualität fokussieren und analysieren: Verbrechen mit nationalistischem Hintergrund, Handel mit Menschen und Organen, internationale Korruption, Technologiediebstahl, Spekulation mit Rohstoffen, Verflechtungen von Politik, Wirtschaft und organisierter Kriminalität oder Nachwirkungen des Kolonialismus. Es sind Stoffe, für die der Autor meist jahrelang recherchiert und sich in seiner ironischen bis sarkastischen Erzählweise nicht auf die klassische Dreiergruppe Täter–Opfer–Ermittler beschränkt, sondern vor allem die fundamentale Rolle der Gesellschaft beleuchtet.
Protagonist ist der in Salerno (Kampanien) gebürtige Vize-Questore und Commissario Proteo Laurenti, ein „sturer, sympathischer Dickschädel“, „in der Riege großer Kommissare mental der sportlichste“, der sich oft genug selbst nicht an die Regeln hält und gerne wegen seiner unkonventionellen Art bei den Autoritäten aneckt. Er ist seit fast dreißig Jahren mit Laura, einer Friulanerin aus San Daniele, verheiratet, die Mitinhaberin eines Versteigerungshauses in Triest ist. Sie haben drei erwachsene Kinder, von denen die älteste Tochter Livia inzwischen in einer Frankfurter Rechtsanwaltskanzlei als Sekretärin arbeitet, während das jüngste Kind, Sohn Marco, die Ausbildung zum Koch in einem Triestiner Spitzenrestaurant absolviert. Patrizia, die Zweitgeborene, ist Mutter eines Mädchens geworden, Proteo Laurenti also Großvater. Seit auch seine Schwiegermutter zu der Familie gezogen ist, bezeichnet der Commissario sich selbst als die „männliche Minderheit“ im Haus. Vereinzelte Leserstimmen kritisierten in der Vergangenheit heftig, dass Proteo Laurenti es mit der ehelichen Treue nicht so genau nimmt. Insbesondere seine Liaison mit der kroatischen Generalstaatsanwältin Živa Ravno stieß wiederholt auf Kritik. Doch auch Gemahlin Laura gönnt sich zuzeiten einen Seitensprung. Der exzentrische pensionierte Gerichtsmediziner Galvano nennt ihr Verhalten jedoch einen typischen Fall von „Paralleltreue“.
Die Gegenspieler Laurentis wechseln nicht unbedingt von Fall zu Fall, sondern sind Teil eines die Grenzen überspannenden Netzwerks, einer Schattengesellschaft, die sich gegenseitig schützt und versucht, an allen demokratischen Regeln vorbei ihre Macht und ihren Profit auszubauen.
An den mittlerweile acht Episoden der Proteo-Laurenti-Romane lässt sich nicht nur die Veränderung einer Stadt und ihrer Umgebung während der Zeit der EU-Erweiterung nach Osten ablesen, vielmehr ist Veit Heinichen „weit mehr als ein cleverer Erzähler spannender Kriminalgeschichten, er ist eine Art Chronist des europäischen Umbruchs[,] durch den man Europa mit anderen Augen sehen lernt.“
Heinichen erzählt neben anderen Lebensgewohnheiten auch die kulinarischen Konfrontationen, denen seine Protagonisten ausgesetzt sind. „Veit Heinichen ist der Fellini des Kriminalromans, aber auch sein Jamie Oliver.“
„Tabus und Gewohnheiten“, so Heinichen, „sind kollektives Gemeineigentum der Gesellschaft, sie zu erzählen bringt jene, die sich ihrer bisher bedient haben, beizeiten in großen Aufruhr.“ „Ich empfinde den Kriminalroman als adäquates Mittel, um unsere Gesellschaft abzubilden.“

Kleidungshybride
Fischers Grobstrickrolli mit tiefausgeschnittenen Armlöchern gliedert sich harmonisch ein in die Riege der sinnfreien Kleidungsstücke. Kurzärmelige Daunenjacken, Flip-Flops mit Schaft, T-Shirts mit Kapuze, Fell-Sandalen, Peeptoe-Stiefel, bauchfreie Westen, Sneakerwedges… Die Liste an Vertretern ist beachtlich, ihren Trägern ist eines gemein: Sie können sich nicht entscheiden. Sportlich oder elegant, gemütlich oder gestylt, warm oder kalt? Tatsächlich sind die Kleidungshybriden weder noch. (Maria Hunstig, 31.05.2017)

Ihr wolltet es so von Nina Pauer 5. April 2017, AUS DER ZEIT NR. 15/2017
Wie so oft wird die wichtigste Frage beiläufig gestellt. „Und?“, heißt es am Rande von Hochzeiten, Familientreffen, in der Kantine oder beim Bier mit einem engen Freund. „Wie sieht’s aus?“, wird in leicht ironischer Stimmlage nachgebohrt. Wer das Thema nicht irgendwann freiwillig anschneidet, aus dem wird es herausgekitzelt. „Will nicht“, „Kann nicht“, „Hat niemanden“, wird wie in einer Akte vermerkt, „Die versuchen’s jetzt“, „Die versuchen’s schon eine Weile“, „Ist wieder schwanger“.
Es ist auffällig, wie hartnäckig die Familienplanung der anderen inzwischen beäugt wird, als hinge davon etwas Grundlegendes für das eigene Leben ab.
Jenseits von politischen Gegensätzen und sozialen Unterschieden hat sich unbemerkt eine andere, stillere, dafür umso tiefere Spaltung der Gesellschaft herausgebildet. Die einen haben Kinder oder wünschen sich welche. Die anderen haben sich gegen sie entschieden, warten oder müssen warten, weil sie allein sind.
Vom längst zum Klischee gewordenen Streit um sperrige Kinderwagen in Treppenhäusern und Cafés einmal abgesehen, tobt kein offener Konflikt zwischen diesen Gruppen. Die Kommunikation unter ihnen treibt dagegen merkwürdige Blüten.
Junge Kolleginnen begegnen aus der Elternzeitzurückgekehrten Gleichaltrigen wie gebeutelten Veteranen einer üblen Schlacht. „Dass du das durchgezogen hast“, heißt es ehrfürchtig, als käme ein Kind zu kriegen dem Risiko gleich, sein Hab und Gut zu verkaufen und sich auf unbestimmte Zeit auf das Leben als Aussteiger einzulassen. Lang gewachsene Freundeskreise spalten sich innerhalb weniger Monate in Eltern und Kinderlose auf, die einander nichts mehr zu sagen haben. Singles rollen ob der gehäuften „Wir sind überglücklich“-Geburtsrundmails genervt mit den Augen und fühlen sich ausgeschlossen, weil übermüdete Säuglingseltern nicht mehr mit ihnen durch die Bars ziehen möchten. Und leicht reizbare Eltern werfen zu jeder möglichen Gelegenheit mit der diffusen Drohung um sich: „Warte, bis du erst Kinder hast!“
Freundschaften, die nahezu mühelos über die ersten Jahre mit kleinen Kindern hinweg bestehen, zeigen zwar, dass man, wenn man will, noch gemeinsame Themen findet und sich in dieser Lebensphase nicht auseinanderleben muss. Dass die Entfremdung nicht allein an der Umständlichkeit liegt, mit der sich Eltern nur noch vier Wochen im Voraus an einem einzigen Sonntagnachmittag verabreden können, um dann in letzter Sekunde abzusagen, weil das Kind noch keinen, einen zu langen oder zu kurzen Mittagsschlaf gemacht hat. Doch oft ist auf beiden Seiten schnell gar kein Wille mehr da, es zu versuchen.
Eine ganze Kohorte junger Erwachsener, zumal jene aus den urbanen, kreativen und akademischen Milieus, stößt beim Thema Kinder auf den ersten harten Widerstand in ihrer Biografie. Hineingeboren in eine Zeit, in der Multioptionalität als höchstes Gut galt, groß geworden mit der Erfahrung, dass Städte, Partner, Jobs und Ernährungsweisen jederzeit gegen andere eintauschbar sind, bilden eigene Kinder für diese Gruppe potenzieller junger Eltern einen Pflock, der, wenn man ihn erst einmal in seinen Lebenslauf gerammt hat, nicht mehr zu entfernen ist.
In den fünfziger Jahren bestand noch gesellschaftlicher Konsens über die Lebensziele Haus, Heirat und Kinder. In den siebziger und achtziger Jahren galt es als spießig, Beziehungen per Urkunde zu zementieren und sich im öden Leben als Kleinfamilie einzurichten. Inzwischen sind diese Zuschreibungen völlig durcheinandergeraten. Denn wer ist heute der Spießer? Wirklich noch derjenige, der sich emotional und finanziell von einem wackeligen Konstrukt wie der Ehe abhängig macht, der nach der Geburt seines Kindes eine Auszeit im Job wagt und nicht zuletzt über eine längere Weile die Standards zeitgenössischer Psychohygiene („Zeit für mich“, ausreichend Schlaf und so fort) vernachlässigt? Oder vielleicht doch eher derjenige, dessen Alltag sich seit Jahren zwischen solidem Einkommen, ungebrochenem Einsatz für die Karriere und ausreichend Zeit für den Freundeskreis, das Fitnessstudio und die nächste Fernreise abspielt?
Der amerikanische Soziologe David Riesman(Die einsame Masse) unterschied zwischen dem „außen-geleiteten“ Menschen, also demjenigen, der in seinen Handlungen nur auf das schaut, was die Gesellschaft vermeintlich von ihm erwartet, und dem „innen-geleiteten“, der ebendies nicht tut. Wer unterwirft sich heute dem gesellschaftlichen Druck? Wer widersteht ihm? Derjenige, der den Lebenslauf-Fetischismus über Bord wirft und sich mit der Verantwortung für ein Kind Kontingenz und Chaos zurück ins Haus holt? Oder vielmehr der Kinderlose, der sich einem vermeintlich wirklich freien Leben ohne jegliche Einschränkungen stellt? Kurz: Wer wagt etwas, und wer macht es sich bequem?
Derartige Fragen sollten keine Kategorien für Anerkennung und Rechtfertigung sein. Sie sind es aber. Der neue Hang zum Lebensvergleich hat klassenkampfähnliche Züge. Das zeigen die kleinen spitzen Kommentare, die sich Eltern und Kinderlose über ihre kommunikative Kluft hinweg zuwerfen. „Also ich gäbe ja alles dafür, auch nur ein Mal auszuschlafen“, dieser aggressiv vorgetragene Satz trifft jeden Single, der auch nur leise andeutet, den einsamen Sonntag allein im Bett nicht in vollen Zügen genossen zu haben. Mutwillig Kinderlosen (oder jenen, die über ihre wiederholten Besuche in der Kinderwunschklinik nicht sprechen und denen man die Mutwilligkeit nur unterstellt) wird hinter vorgehaltener Hand vorgeworfen, nicht erwachsen zu werden, hedonistisch zu sein oder sich in albernen Befindlichkeiten („Generation Beziehungsunfähigkeit“) zu verlieren. Kinder zu kriegen scheint hier wie eine natürliche Pflicht und die Entscheidung gegen sie wie ein Zeichen fehlender Opferbereitschaft, die sich am Ende rächen wird. Vorauseilend werden Kinderlose um ein einsames Leben im Alter bemitleidet. Seid ihr wirklich glücklich?, unter dieser Beweisnot stehen Menschen ohne Kinder, deren Handlungen nur mehr als Kompensationsversuch für die Kinderlosigkeit gewertet werden.
Andererseits zeigen Kinderlose ihren Trophäenschrank gar nicht so ungern vor: nach der Arbeit in teurer Profiausrüstung für den nächsten Triathlon trainieren, das Interesse für Designermöbel und entlegene Ginsorten pflegen, am Wochenende zu zweit aufwendige Rezepte aus der New York Times nachkochen. Messbare Höchstleistungen in Job und Privatleben, dazu die genussvolle Verfeinerung des Alltags – hier darf das Selbst sich noch ungestört und aus rationaler Entscheidung heraus entfalten. Bei Eltern hingegen wird das Glück irgendwo in der archaischen Kriegszone zwischen Feuchttüchern, Fischstäbchen und Fiebersaft einfach unterstellt. Das breiverschmierte Kleinkind auf dem Handyhintergrund muss als Beweis genügen. Mit dem Satz „Du hast ja schon alles“ werden Sorgen junger Eltern spöttisch abgebügelt. Als wären Kinder ein Garant für ein sinnkrisenfreies Leben, letztlich wenig mehr als ein Yogakurs, mit dem man die Überforderungen der entgrenzten Moderne zu bewältigen versucht. „Jammer nicht, du wolltest es so“, steht wechselseitig im Raum. Mit anderen Worten: Wer sich einmal entschieden hat, soll sich nicht beschweren, sondern glücklich sein.
Natürlich gibt es den Schmerz. Von Alleinstehenden, die sich ein Kind wünschen, aber keinen Partner finden. Von Paaren, bei denen es aus medizinischen Gründen nicht klappt, manchmal auch deshalb, weil sie zu lange gewartet haben, um sich alle Optionen offenzuhalten.
Doch es müssen nicht unbedingt uneingestandene Gefühle sein, aus denen heraus der seltsame neue Wettbewerb ums bessere Lebensmodell entspringt. Diejenigen, die sich für Kinder entschieden haben, plagen sich selten ernsthaft mit Reue. Und auch jene, die keine Kinder wollen, schauen nicht bloß aus Sehnsucht so befremdet auf ihre Bekannten mit Babys.
Der Mechanismus, mit dem sowohl Eltern als auch solche, die es nicht sind, das Leben der anderen beurteilen, verspotten oder romantisieren, ist ein anderer. Eine schlichte Enttäuschung verbindet beide, nämlich die, sich überhaupt entscheiden zu müssen. Dass es so etwas wie einen Determinismus im Leben geben könnte, Weichen, die sich nicht beliebig umstellen lassen, darauf war anscheinend niemand vorbereitet. Die eigentliche Provokation liegt nicht darin, dass jemand womöglich eine bessere Wahl getroffen haben könnte als man selbst, sondern darin, dass es einfach eine andere war als die eigene. Die Illusion einer Wahlfreiheit mit Rückgabegarantie, das Phantasma der ewigen Verfügungsgewalt über das eigene Leben, wird als Missverständnis enttarnt. Und damit auch die Kontrolle über die eigene Biografie.
Missing out, so nannte der amerikanische Psychoanalytiker Adam Phillips sein Buch über die zeitgenössische Horrorvorstellung, etwas im Leben zu verpassen. Die gedankliche Fixierung auf das, was auch hätte sein können, überschatte zunehmend das, was ist. „The unlived life“, damit meint Phillips keine ungeborenen Kinder. Sondern die endlose Menge an ungelebten Alternativentwürfen, von denen sich jeder andauernd verabschieden muss. Gerade dann, wenn andere sie leben.

Saudade (04.02.2017)
Saudade ist eine spezifisch portugiesische und galizische bzw. lusophone Form des Weltschmerzes. Das Konzept der Saudade lässt sich mit „Traurigkeit“, „Wehmut“, „Sehnsucht“, „Fernweh“ oder „sanfte Melancholie“ nur annähernd übersetzen.

tatsächlich in der dritten Strophe der Bundeshymne (26.01.2017)
Mutig in die neuen Zeiten
Frei und gläubig sieh uns schreiten
Arbeitsfroh und hoffnungsreich.

foutieren (15.01.2017)
fou·ti̱e̱·ren
Verb [mit OBJ] (jmd. foutiert etwas) SCHWEIZERDEUTSCH
sich um etw. nicht kümmern.

Gretchen Rubin explains Isherwood
. . .I was particularly struck by Isherwood’s passing remark, of his cigarette smoking: „I had given up the habit with difficulty in 1941, because I was upset about my parting from Vernon and wanted to raise my morale by asserting my willpower.“
I was fascinated by this brief remark. He wanted to raise his morale by asserting his willpower.
We usually think of an effort like quitting smoking as something that’s demanding, draining, a big drag. And it is, of course.
But it’s also interesting to see that an effort like that is also a morale-booster. And it’s true: whenever we ask something of ourselves, and follow through, we get a big boost in our sense of „self-efficacy,“ our sense of control over ourselves.

Herbsttag (Rainer Maria Rilke, 21.9.1902, Paris)
Herr, es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.
Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,
und auf den Fluren lass die Winde los.
Befiehl den letzten Früchten, voll zu sein;
gib ihnen noch zwei südlichere Tage,
dränge sie zur Vollendung hin, und jage
die letzte Süße in den schweren Wein.
Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.
Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
und wird in den Alleen hin und her
unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.

List of Stuff White People Like (Christian Lander)
#135 Roller Derby
#134 The TED Conference
#133 The World Cup
#132 Picking Their Own Fruit
#131 Conan O’Brien
#130 Ray-Ban Wayfarers
#129 Banksy
#128 Camping
#127 Where the Wild Things Are
#126 Vespa Scooters
#125 Bob Marley
#124 Hating People Who Wear Ed Hardy
#123 Mad Men
#122 Moleskine Notebooks
#121 Funny or Ironic Tattoos
#120 Taking a Year Off
#119 Sea Salt
#118 Ugly Sweater Parties
#117 Political Prisoners
#116 Black Music that Black People Don’t Listen to Anymore
#115 Promising to Learn a New Language
#114 America
#113 Halloween
#112 Hummus
#111 Pea Coats
#110 Frisbee Sports
#109 The Onion
#108 Appearing to Enjoy Classical Music
#107 Self Aware Hip Hop References
#106 Facebook
#105 Unpaid Internships
#104 Girls with Bangs
#103 Sweaters
#102 Children’s Games as Adults
#101 Being Offended
#100 Bumper Stickers
#99 Grammar
#98 The Ivy League
#97 Scarves
#96 New Balance Shoes
#95 Rugby
#94 Free Healthcare
#93 Music Piracy
#92 Book Deals
#91 San Francisco
#90 Dinner Parties
#89 St. Patrick’s Day
#88 Having Gay Friends
#87 Outdoor Performance Clothes
#86 Shorts
#85 The Wire
#84 T-Shirts
#83 Bad Memories of High School
#82 Hating Corporations
#81 Graduate School
#80 The Idea of Soccer
#79 Modern Furniture
#78 Multilingual Children
#77 Musical Comedy
#76 Bottles of Water
#75 Threatening to Move to Canada
#74 Oscar Parties
#73 Gentrification
#72 Study Abroad
#71 Being the only white person around
#70 Difficult Breakups
#69 Mos Def
#68 Michel Gondry
#67 Standing Still at Concerts
#66 Divorce
#65 Co-Ed Sports
#64 Recycling
#63 Expensive Sandwiches
#62 Knowing What’s Best for Poor People
#61 Bicycles
#60 Toyota Prius
#59 Natural Medicine
#58 Japan
#57 Juno
#56 Lawyers
#55 Apologies
#54 Kitchen Gadgets
#53 Dogs
#52 Sarah Silverman
#51 Living by the Water
#50 Irony
#49 Vintage
#48 Whole Foods and Grocery Co-ops
#47 Arts Degrees
#46 The Sunday New York Times
#45 Asian Fusion Food
#44 Public Radio
#43 Plays
#42 Sushi
#41 Indie Music
#40 Apple Products
#39 Netflix
#38 Arrested Development
#37 Renovations
#36 Breakfast Places
#35 The Daily Show/Colbert Report
#34 Architecture
#33 Marijuana
#32 Vegan/Vegetarianism
#31 Snowboarding
#30 Wrigley Field
#29 80s Night
#28 Not having a TV
#27 Marathons
#26 Manhattan (now Brooklyn too!)
#25 David Sedaris
#24 Wine
#23 Microbreweries
#22 Having Two Last Names
#21 Writers Workshops
#20 Being an expert on YOUR culture
#19 Traveling
#18 Awareness
#17 Hating their Parents
#16 Gifted Children
#15 Yoga
#14 Having Black Friends
#13 Tea
#12 Non-Profit Organizations
#11 Asian Girls
#10 Wes Anderson Movies
#9 Making you feel bad about not going outside
#8 Barack Obama
#7 Diversity
#6 Organic Food
#5 Farmer’s Markets
#4 Assists
#3 Film Festivals
#2 Religions their parents don’t belong to
#1 Coffee

von Verna am 1.1.2017
The Boarding on *Flight 2017* has  been announced…….
Your luggage should only contain the *best souvenirs from 2016*…….
The *bad and sad* moments should be left *in the garbage*…….
_The duration of the flight will be 12 months._
So, tighten your seatbelt
The next stop-overs will be : *Health, Love, Joy, Harmony, Well-being and Peace*.
_The captain offers you the following menu which will be served during the flight……._
A Cocktail of Friendship
A Supreme of Health
A Gratin of Prosperity
A Bowl of Excellent News
A salad of Success
A Cake of Happiness
All accompanied by *bursts of laughter*……
Wishing you an *enjoyable trip* on board of *flight 2017*……